„Man kann nur gewinnen“
Als Sohail Ahmed sein Studium im Bereich Life Science in der Tasche hat, will er sich nicht darauf ausruhen, sondern weitergehen. Er will weiter lernen, sich weiter formen und im besten Fall einen Doktortitel vor seinen Namen setzen. In seiner Heimat Pakistan sieht er keine Möglichkeit, sein Vorhaben – die Verknüpfung von Bildung und Job – umzusetzen und sein im Studium erlangtes Grundlagenwissen in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik entscheidend zu vertiefen. „Deshalb bin ich 2022 nach Magdeburg gekommen.“ Und Sohail Ahmed, der aus der pakistanischen Region Kaschmir stammt, kommt nicht ohne Vorschusslorbeeren an das Universitätsklinikum. Er ist Teil eines evaluierten Förderprogramms für Doktorandinnen und Doktoranden, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgelegt hat. Einem Stipendium ähnlich, werden Promovierende innerhalb von Graduiertenkollegs und Forschungsprojekten unterstützt. So bekommt Sohail Ahmed die Möglichkeit, sich innerhalb seines Interessengebiets strukturiert weiterzubilden und das bis zur Doktorarbeit zu verfolgen. „Das ist eine so große Chance für mich. Meine Doktorarbeit gehe ich bald an“, sagt er. Dass er das in Magdeburg tun kann, gefällt ihm sehr gut. „Es ist eine tolle Stadt mit tollen Menschen und so viel Grün.“
Prof. Dr. Peter Mertens ist Sohail Ahmeds Doktorvater. Er ist Direktor an der Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie. Gleichermaßen ein forschender Kliniker und klinischer Forscher, der den jungen Pakistani auf seinem Weg begleitet und unterstützt. „Unser Team ist sehr international“, sagt Peter Mertens. „Wir haben konstant Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Indien, China, Syrien oder Amerika.“ Er selbst hat einige Zeit in den USA verbracht, seit 2009 arbeitet er im Universitätsklinikum Magdeburg. Internationale Vernetzung und Austausch sind in der medizinischen Forschung das A und O. „Das Multikulturelle führt dazu, dass man neue Wege gehen kann, wenn man Lösungen sucht.“ Man schaue innerhalb eines internationalen Teams darauf, wie andere Kulturen reagieren und wie sie Dinge angehen. „Das kommt ganz entscheidend dem Arbeitsethos zugute. Und das ist nichts Abstraktes, sondern etwas Gelebtes.“
Seit sich Peter Mertens in Magdeburg niedergelassen hat, hat sich die Stadt verändert. „Die Stadtplaner haben das gut ausbalanciert. Mittlerweile gibt es überall Spots, die einen anziehen. Das habe ich früher nicht so empfunden.“ Dass das Multikulturelle längst zu Magdeburg gehört, ist wichtig und richtig. „Es gibt Communities innerhalb der Gesellschaft und die haben ihre Daseinsberechtigung, denn ganz allein ist nicht der Weg“, ordnet der Mediziner ein. Vielfalt bedeute nicht, sich ganz und gar aufzugeben, wenn man aus einem anderen Kulturkreis kommt. Davon profitiere die gesamte Stadtgesellschaft. „Man verliert nicht, man gewinnt.“ Schade sei, dass die Medien immer noch zu viele „Gegentöne produzieren“ und unnütze Neiddebatten anstoßen. Sohail Ahmed sagt, die Menschen in Magdeburg sind sehr freundlich und er schätzt die deutsche Strukturiertheit. „Ich habe hier noch nie eine einzige schlechte Erfahrung gemacht oder erlebt. Ich möchte gern weiter hier arbeiten.“
Sohail Ahmed könnte so Teil eines Generationenwechsels in der Magdeburger Wissenschaftslandschaft sein, der mehr denn je auf Internationalität ausgerichtet ist und den auch sein Doktorvater beobachtet. „Da wird in den nächsten Jahren viel entstehen, wenn man den Raum dafür offen hält“, betont Prof. Mertens. „Der Exzellenzgedanke muss gelebt werden, weil Durchschnitt nicht reicht.“ Magdeburg bietet dafür den Boden, aus dem wissenschaftlich viel erwachsen kann. „Ich hatte dieses Gefühl, als ich 2009 hierherkam. Und deswegen bin ich auch geblieben.“