„Ich kenne die Werte, die Weltoffenheit mitbringt“

„Ich kenne die Werte, die Weltoffenheit mitbringt“

Prof. Dr. Michael Herzog

 

Forschen, lehren, netzwerken – für Prof. Dr. Michael Herzog sind das drei essentiell wichtige Dinge seines Lebens. Und es sind Dinge, die im wahrsten Sinne grenzenlos sind. „Internationale Netzwerke sind für mich der Nektar, aus dem ich meine Energie und Inspiration für Forschungs- oder Promotionsprojekte ziehe“, sagt der Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Magdeburg-Stendal. „Forschungsleistung ist Teamleistung und es lässt mich aus tiefster Überzeugung sagen: Ich kenne die Werte, die Weltoffenheit mitbringt.“ Michael Herzog hat stets geschaut, wie es woanders geht beziehungsweise gehen kann, etwa in den Bereichen Bildungstechnologien, Mensch-Computer-Interaktion oder IT-unterstützte Nachhaltigkeit. Zwar liegt sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt längst in Magdeburg, doch es zieht ihn regelmäßig in die weite Welt hinaus. „Ich arbeite als Gastwissenschaftler am Department of Computer Science der Old Dominion University in Virginia sowie als Associate Graduate Faculty bei den Bildungswissenschaften der Ontario Tech University“, berichtet er. Michael Herzog leitet an der Hochschule Magdeburg-Stendal die interdisziplinäre Forschungsgruppe SPiRIT, ist außerdem Prodekan und Mitwirkender im Akademischen Senat. Die letzten Jahre bringt der provierte Wirtschaftsinformatiker und diplomierte Informatiker kurz und knackig so auf den Punkt: „Seit 2010 bin ich begeistert hier.“

Michael Herzog wird in Caputh in Brandenburg geboren, wächst in Beelitz auf und macht sein Abitur in Potsdam. 1988 kommt er fürs Informatikstudium nach Magdeburg und muss mitten in der „wilden Wende-Zeit“ die Grundsteine für Leben, Beruf und Karriere legen. „Ich bin dann erst einmal mehr als 15 Jahre lang Unternehmer gewesen“, erzählt er. „Als 1990 kurz nach dem Mauerfall unsere erste Computerfirma eröffnet wurde, war das im Potsdamer Handelsregister die Nummer elf.“ Michael Herzog fokussiert sich auf Medientechnik, Medienproduktion und Softwareentwicklung – und das nicht nur in Deutschland. „Ich habe auch in Italien eine erfolgreiche Runde gedreht. Ein bisschen spreche ich die Sprache auch noch.“ Parallel legt er sein Vordiplom in Magdeburg ab, um später an der Technischen Universität in Berlin seinen Abschluss zu machen.

Aus der Wirtschaft „springt“ er in die Wissenschaft und umgibt sich seitdem mit „Menschen, die Weltoffenheit leben“, wie er sagt. Von den etwa 5.100 bis 5.300 Studierenden der Hochschule Magdeburg-Stendal kommen rund zehn Prozent aus dem Ausland. Für den weltgewandten Professor für Wirtschaftsinformatik zu wenig. „Wenn wir über Weltoffenheit und internationale Vernetzung sprechen, dann stellen wir immer fest: Das läuft alles über Menschen.“ Auf dem Hochschulcampus könnte es gern noch multikultureller sein. „Innerhalb unserer Projekte erlebe ich immer wieder, was da für fantastische Menschen in unser Land kommen und mit uns hier arbeiten.“ Und auch, wenn es aus der Sicht von Michael Herzog durchaus noch Entwicklungspotenzial gibt, ist die Hochschule Magdeburg-Stendal längst „wissenschaftlich international anschlussfähig“. „Wir leben eine gewisse Exzellenz und setzen auf Qualität statt auf Quantität“, so der Akademiker. „Aber ich bin sicher, es wird der demografische Punkt kommen, wo wir die Hähne mehr aufdrehen und die Zahl der Studienplätze für internationale Studierende erhöhen müssen.“

Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt sieht der Hochschul-Professor seit dem Intel-Hype weltweit „auf der Landkarte“. „Intel kommt nicht, aber es kommen sicher andere.“ Für die Zukunft hat Michael Herzog einiges auf dem Zettel. „Ich wünsche mir weniger Barrieren für internationale Studierende und weniger Reflexe, Migration nur als Problem zu sehen. Wir erleben gerade Verunsicherung, aber systemtheoretisch wird aus Instabilität auch neue Stabilität entstehen. Dafür müssen wir Menschen in Verantwortung wählen, die nicht mit Angst arbeiten, sondern mit Sachlichkeit, Mut und belastbaren Erkenntnissen.“