Zwischen Neugier und Heimatgefühl
Zwischen Neugier und Heimatgefühl
Marilena Nalli und Martin Steffen
Als Marilena Nalli 2014 aus Casale Monferrato in Norditalien nach Magdeburg kam, hatte sie einen klaren Plan: drei Monate Praktikum, dann zurück nach Hause. Heute, zwölf Jahre später, lebt sie noch immer in der Elbestadt, arbeitet bei der KID Magdeburg GmbH und sieht die Stadt längst als ihr zweites Zuhause.
Die gebürtige Italienerin stammt aus der Nähe von Turin und studierte International Economics in Pavia. Schon in der Schulzeit entdeckte sie ihre Begeisterung für die deutsche Sprache und Kultur. „Ich wollte unbedingt in Deutschland arbeiten und leben“, erzählt sie. „Egal in welcher Stadt – einfach mal in Deutschland.“
Über die internationale Studentenorganisation AIESEC fand sie schließlich ein Praktikum bei einem IT-Unternehmen im Magdeburger Wissenschaftshafen. „Mein Zimmer in Italien habe ich damals so gelassen, wie es war“, erinnert sie sich. „Ich habe meinen Eltern gesagt: Wir sehen uns in drei Monaten wieder.“ Doch aus drei Monaten wurden sechs, dann kam der unbefristete Vertrag – und irgendwann wurde aus dem Zwischenstopp ein neues Leben.
„Die Kollegen waren super, das Team war international und offen“, erzählt sie. „Und auch die Stadt hat mir vom ersten Moment an gefallen.“ Besonders beeindruckt hat sie die Entwicklung Magdeburgs. Neue moderne Quartiere in der Stadt, mehr Internationalität im Alltag und ein insgesamt dynamischeres Stadtbild. „Ich konnte richtig beobachten, wie sich die Stadt verändert – nicht nur baulich, sondern auch gesellschaftlich.“
Dabei hat sie bewusst versucht, den Kontakt zu Italienern in ihrem Umfeld möglichst gering zu halten. „Ich wollte nicht in einer Blase leben“, sagt sie. „Ich wollte wirklich entdecken, wie das Leben hier ist.“ So lernt sie Menschen aus unterschiedlichsten Ländern kennen und beschreibt ihren Freundeskreis heute als „halb deutsch, halb international“.
An Magdeburg schätzt sie besonders die Mischung aus Überschaubarkeit und Möglichkeiten: „Die Stadt hat für mich genau die richtige Größe.“ Theater, Flohmärkte, Konzerte oder neue Restaurants – vieles müsse man aktiver suchen als in Metropolen wie Berlin, aber genau das macht den Reiz aus. „Wenn man neugierig bleibt, findet man hier sehr viel.“
Diese Neugier prägt auch ihren beruflichen Weg. Seit 2023 arbeitet Marilena Nalli in der Personalabteilung der KID, dem IT-Dienstleister der Landeshauptstadt. Das Unternehmen sorgt im Hintergrund dafür, dass viele digitale Prozesse der Stadtverwaltung funktionieren – von der technischen Infrastruktur bis zur Digitalisierung von Verwaltungsabläufen.
Geschäftsführer Martin Steffen beschreibt die Aufgabe der KID so: „Wir stehen hinter den Kulissen sehr vieler technischer Verfahren in Magdeburgs Stadtverwaltung und sorgen dafür, dass die Verwaltung moderner, schneller und leistungsfähiger wird.“ Bürgerinnen und Bürger nehmen die Arbeit der KID oft gar nicht direkt wahr, dabei ist sie für den Alltag vieler Menschen entscheidend. „Wir sind wie Batman“, sagt Marilena Nalli schmunzelnd. „Man kennt uns nicht so sehr, doch viel Gutes geschieht dank der KID.“
Die wachsende Bedeutung von internationalen Fachkräften ist für Martin Steffen selbstverständlich: „Austausch bereichert eine Gesellschaft – kulturell, beruflich und menschlich.“ Die Herkunft spielt für ihn bei Neueinstellungen daher keine Rolle, entscheidend sind Kompetenz, Perspektiven und Teamfähigkeit. Menschen wie Marilena Nalli sind deshalb eine Bereicherung für Magdeburg.
Auch Marilena Nalli sieht in der neuen Vielfalt großes Potential – für die Stadt und die Arbeitswelt. An Magdeburg hat ihr von Anfang an die starke Identifikation mit sich selbst gefallen, vor allem durch die Ottostadt-Kampagne. „Überall dieser Otto, das war so menschennah und sympathisch“, erinnert sie sich. „Dadurch hatte ich sofort das Gefühl, Teil der Stadt zu sein.“ Und dieses Gefühl ist geblieben – wodurch sie mittlerweile ganz selbstverständlich sagt: „Ich habe zwei Zuhause und das ist für mich ein großer Gewinn und ein echtes Glück.“