„Ich sehe, was hier wachsen kann“
„Ich sehe, was hier wachsen kann“
Prof. Dr. Hüseyin Altaş und Sebastian Schulze
Als Prof. Dr. Hüseyin Altaş das ehemalige RAW-Gelände zum ersten Mal betritt, sieht er nicht die verfallenen Gebäude auf der Industriebrache. Er sieht Möglichkeiten. „Ich sehe, was hier wachsen kann“, sagt der Unternehmer. Heute beginnt diese Vorstellung Wirklichkeit zu werden. Auf dem rund 25 Hektar großen Areal des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes im Stadtteil Salbke entsteht in den kommenden Jahren ein neues urbanes Quartier zum Leben und Arbeiten.
Dass ihn sein unternehmerischer Weg einmal nach Magdeburg führen würde, hätte Hüseyin Altaş selbst nicht erwartet. Der Jurist, Unternehmer und Investor ist Gründer und Ehrenpräsident der in der Türkei ansässigen Altaş Holding sowie geschäftsführender Gründungspartner der Altaş Anwaltskanzlei. Darüber hinaus gilt er als anerkannter Experte für Wirtschafts- und Zivilrecht und engagiert sich seit vielen Jahren in wirtschaftlichen Interessenverbänden. Als Vorsitzender des Vereins türkischer Einkaufszentren und Investoren (ASCI) vertritt er die Branche unter anderem bei offiziellen Gesprächen mit staatlichen Ministerien.
Nach mehreren erfolgreichen Großprojekten in Deutschland sucht der Unternehmer vor mehreren Jahren erneut nach einer Investitionsmöglichkeit. Projekte in Berlin und Oberhausen stehen auf seiner Liste, doch keines überzeugt ihn. Dann kommt Magdeburg. „Als ich das Gelände mit seinem Potenzial gesehen und mich in der Stadt umgesehen habe, wusste ich schnell, dass ich hier investieren möchte“, erinnert er sich.
Im August 2022 erwirbt die Altaş-Holding das Gelände. Seitdem reist der Unternehmer regelmäßig in die Ottostadt, meist mindestens einmal im Monat. Mit jedem Besuch wächst seine Verbindung zur Stadt. Was ihn beeindruckt, sind nicht nur die Entwicklungsmöglichkeiten des Areals, sondern auch Magdeburg selbst – die Geschichte, die Kultur und die Nähe zur Natur. Und auch die Menschen haben es dem Unternehmer angetan. Er sagt: „Die meisten Einwohner sind sehr offen für Neues.“
Davon wird es bald reichlich an der Salbker Hauptstraße geben. Die Pläne für das ehemalige RAW-Gelände sind ambitioniert: Rund 2.000 Wohnungen sollen entstehen, dazu ein moderner Basar, ein Supermarkt, eine internationale Schule sowie Einrichtungen der medizinischen Versorgung. Was hier wächst, soll am Ende kein abgeschlossener Stadtteil sein, sondern ein lebendiges Quartier mit eigener Identität und starker Verbindung zur Umgebung, sagt der Investor. Gerade diese Identität liege ihm besonders am Herzen. Hüseyin Altaş weiß um die Bedeutung des Standortes für viele Familien. „Hier haben viele Tausend Magdeburger gearbeitet“, sagt er. „Das ist ein emotional stark aufgeladenes Projekt, an dem viel Identität geknüpft ist.“ Darum soll der industrielle Charakter des Geländes auch nicht verschwinden, sondern bewusst Teil der Entwicklung bleiben. „Ich bin Geschäftsmann, keine Frage. Aber mir ist es auch wichtig, hier Herausforderungen anzupacken und der Stadt etwas zu geben“, erklärt Altaş. Dafür setzt er von Beginn an auf Transparenz und Austausch, öffnet etwa wenige Monate nach dem Kauf das Gelände für Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, Fachleute und interessierte Bürgerinnen und Bürger. „Das war ein guter Termin“, erinnert er sich. „Wir konnten unser Vorhaben deutlich machen. „Das ist nicht nur eine Investition, das könnte einen Domino-Effekt in Gang setzen.“
Diese Einschätzung teilt auch Sebastian Schulze, Architekt und Geschäftsführer der META architektur GmbH in Magdeburg. Er und sein Team verantworten die planerische Entwicklung des Quartiers. Für ihn gehöre das Vorhaben zu den bedeutendsten Projekten in Sachsen-Anhalt, sagt er. „Magdeburg erfährt damit eine enorme Aufwertung.“ Zugleich zeigt das RAW-Projekt für ihn, wie wichtig es ist, für neue Perspektiven offen zu sein. „Magdeburg ist eine Stadt der Potenziale. Und das RAW-Gelände steckt auch voller Potenzial. Es brauchte einen Visionär. Es weitet letztlich immer den Blick, jemanden von außen zu Wort kommen zu lassen.“
Mehr als 100 Fachleute aus unterschiedlichsten Bereichen arbeiten derzeit daran, die Vision Realität werden zu lassen. „Am Ende wird das Quartier einen eigenen Mikrokosmos bilden, aus dem heraus wieder ganz viel anderes entstehen kann“, sagt der Magdeburger Architekt. Für ihn ist das RAW-Projekt damit auch ein Zeichen dafür, dass Weltoffenheit dort beginnt, wo neue Perspektiven willkommen sind.