„In der Fußballmannschaft sind wir mehr als zehn Nationalitäten“

„In der Fußballmannschaft sind wir mehr als zehn Nationalitäten“

Francisco Manuel Correa Gea und Birgit Münster-Rende

 

Als Francisco Manuel Correa Gea im November 2012 aus seiner sonnigen Heimat Spanien in Magdeburg ankommt, muss er über Wochen mit einem halben Meter Schnee und Dauerfrost klarkommen. „Und gleich danach kam das Hochwasser“ erinnert er sich mehr als 13 Jahre später. „Da habe ich mir gedacht: Was ist denn hier los?“ Und obwohl er damals klimatisch gleich die volle Breitseite bekommt, gibt er Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt eine Chance. Seine warme, sonnige Geburtsstadt Valencia hat er einerseits wegen der Liebe und andererseits wegen der Arbeit hinter sich gelassen. Als er geht, ist er ziemlich frustriert. Denn: Francisco Manuel Correa Gea, der Jura studiert und schon als Gabelstaplerfahrer und Kellner gejobbt hat, findet seinerzeit im wirtschaftlich und finanziell schwer gebeutelten Spanien keinen Job. „Meine damalige Partnerin kommt ursprünglich aus Magdeburg, also sind wir gegangen. Ich war so motiviert, zu arbeiten, dass ich nur wegwollte aus Valencia“, erzählt er. Zweimal war er zuvor schon in Magdeburg, dass er „schon schön“ fand. Das Paar kommt an und erhält vor allem viel Unterstützung durch die Familie seiner damaligen Partnerin, die Familie Ladetzki. „Ohne diese Hilfe wäre vieles schwieriger gewesen“, sagt er rückblickend. Nach einer späteren Trennung findet er zudem Unterstützung bei der Familie Rodriguez Rouibi. Beiden Familien sei er bis heute sehr dankbar. Beruflich sammelt Correa-Gea zunächst Erfahrungen im Exportbereich eines Schönebecker Unternehmens sowie in der Personalvermittlung zwischen Spanien und Deutschland. Mit zunehmenden Deutschkenntnissen eröffnen sich weitere Möglichkeiten. Im Jahr 2016 unterschreibt er schließlich einen Arbeitsvertrag bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB). „Als ich damals beim Arbeitsamt war, haben sie gesagt, ich könnte Busfahrer werden. Da habe ich mir gedacht, ich versuch’s. Der Führerschein hat geklappt und aus der befristeten Stelle ist dann eine unbefristete geworden.“

Heute sitzt Francisco Manuel Correa Gea nicht nur sicher und routiniert auf dem Fahrersitz eines MVB-Busses, er sitzt nach eigener Aussage auch „sicher im Sattel“. „Ich habe damals ja zu diesem Job gesagt und es war die absolut richtige Entscheidung. Ich habe sehr gut Deutsch gelernt, bin Vater geworden und kann sagen, dass Magdeburg jetzt meine Heimat ist.“ An den optischen Veränderungen in der Elbestadt fährt er jeden Tag mit dem Bus vorbei. Francisco Manuel Correa Gea hat mitbekommen, wie sich nicht nur die Stadt, sondern auch die Menschen verändert haben. „Natürlich ist Magdeburg internationaler geworden und es wurde viel gebaut und investiert“, sagt er. „Als ich kam, war es schön, jetzt ist es besser.“ Wenn er nicht gerade seine Freizeit mit Frau und Tochter verbringt oder mit dem Bus von A nach B fährt, spielt der Spanier Fußball beim SV Seilerwiesen. „Da bin ich als Mittvierziger bei den alten Herren dabei“, sagt er und lacht. „So ist das hier.“ Als er vor Jahren Teil des Vereins wird, gab es drei Nationalitäten, erinnert er sich. „Jetzt sind es mehr als zehn. China, Syrien, Mexico, Ecuador und Ukraine zum Beispiel. Das ist ziemlich weltoffen. Und egal, woher jemand kommt, wenn einer im Verein Hilfe braucht, dann bekommt er welche.“

Bei den MVB arbeiten insgesamt etwa 1.000 Männer und Frauen aus 14 Herkunftsländern. „Vor allem die Bereiche Bus und Werkstatt sind multikulti“, erklärt Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel. Sowohl im Job als auch im Alltag sei die Sprache das Wichtigste, so die in Magdeburg geborene Diplom-Kauffrau. „Bei uns im Unternehmen wird viel kommuniziert. Mit den Fahrgästen, an der Hotline oder mit der Leitstelle. Gute Deutschkenntnisse sind deshalb eine wichtige Voraussetzung. Wenn dann auch die fachlichen Qualifikationen stimmen, spielt die Herkunft keine Rolle. Francisco Manuel Correa Gea nickt, denn er hat bei seiner Ankunft 2012 kaum Deutsch gesprochen und sich in kürzester Zeit auf das Sprachniveau B2 gebracht und kann sich heute fließend verständigen. „Das muss sein. Als ich hier angekommen bin, habe ich mich gleich bei der Volkshochschule für einen Sprachkurs angemeldet.“ Inzwischen schätzt der Busfahrer mit dem kleinen spanischen Akzent die Gespräche und den Austausch mit Fahrgästen, Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Familie. „Ich bin glücklich, fühle mich sehr wohl und möchte die gute Entwicklung der Stadt weiterhin mit dem Bus beobachten können.“