Zwischen zwei Welten und doch zu Hause in Magdeburg

Zwischen zwei Welten und doch zu Hause in Magdeburg

Elvis Berisha

 

Wenn Elvis Berisha über seinen Weg spricht, dann klingt das nicht nach einem geradlinigen Lebenslauf, sondern nach einer Geschichte voller Umwege, mutiger Entscheidungen und der Überzeugung, das Richtige zu tun.

In Magdeburg, als Sohn kosovarischer Eltern geboren, beginnt seine Geschichte zwischen zwei Welten. Nach dem Ende des Krieges im Kosovo geht die Familie zurück in die „alte“ Heimat. Damals ist er gerade sieben und in der zweiten Klasse. „Für mich war das dort alles fremd – eine neue Sprache, neue Menschen, neue Kultur“, erinnert er sich. Sein Vater sorgt jedoch dafür, dass er das Deutsche nicht verlernt: „Fernsehen gab es nur auf Deutsch.“ Dafür ist er ihm sehr dankbar.

Was zunächst wie ein Bruch wirkt, wird später zu seiner Stärke. Berisha lernt, sich anzupassen, neue Wege zu gehen und Herausforderungen anzunehmen. Er macht Abitur, studiert Kriminologie und träumt davon, Polizist zu werden. Doch dieser Traum scheitert. „Ich wurde dort als Ausländer gesehen, das machte alles schwieriger“, sagt er. Aufgrund der fehlenden Perspektive trifft er eine radikale Entscheidung: Abbruch des Studiums und Rückkehr nach Magdeburg – ganz allein.

2015, mit 19 Jahren, beginnt er erneut bei null. „Hier ging alles wieder von vorne los, als ob ich noch nie dagewesen wäre“, erzählt er von seinem schweren Start. Und doch ist es genau dieser Neuanfang, der ihn dorthin führt, wo er heute steht. Durch Zufall landet er im Handwerk, macht eine Ausbildung zum Maler und Lackierer und entdeckt eine neue Leidenschaft. Aus dem Plan B wird eine Berufung und aus der Zwischenlösung ein Lebensweg. Er arbeitet sich voran, übernimmt Verantwortung, wird Vorarbeiter und merkt: „Ich kann das – und ich will mehr.“

2023 kündigt er seinen Job, geht volles Risiko und beginnt die Meisterschule in Vollzeit. Eine bewusste Entscheidung – auch für seine Familie. Mit dem Meistertitel in der Hand folgt kurz darauf der Schritt in die Selbstständigkeit. Ein mutiger Schritt, der sich ausgezahlt hat. „Ich habe nicht gedacht, dass es so gut anläuft“, sagt er rückblickend. Die Auftragslage ist stabil und die Perspektiven klar: gesund wachsen, ein Team aufbauen, mitgestalten.

Magdeburg bietet dafür alles, was er braucht. „Arbeit gibt es hier ohne Ende. Wir Handwerker müssen uns die nächsten 30 Jahre keine Sorgen machen“, blickt Berisha positiv in die Zukunft. Gleichzeitig sieht er eine große Herausforderung – der fehlende Nachwuchs. Dabei ist er überzeugt: „Handwerk hat heute immer noch einen goldenen Boden.“ Das Schönste an seiner Arbeit ist, „dass man am Ende des Tages immer sieht, was man geschafft hat“. Daher würde er heute auch keinen anderen Job mehr machen wollen.

Es ist dieser Stolz, der seinen Weg und seinen Blick auf den Begriff der Heimat geprägt hat. Obwohl Magdeburg sein Geburtsort ist, fühlt er sich nach seiner Rückkehr erstmal fremd, allein und unsicher. Doch mit der Zeit verändert sich alles. „Jetzt ist hier mein Leben – meine Arbeit, meine Familie. Magdeburg ist mein Zuhause“, sagt er ohne zu zögern.

Das Zusammenleben in der Stadt hat sich aus seiner Sicht insgesamt verändert. Es ist vielfältiger, internationaler und offener geworden. Vorbehalte gegenüber dem Osten kann er nicht bestätigen – ganz im Gegenteil: „Ich bin immer gut aufgenommen worden.“ Für ihn zählt vor allem eines: Einsatz zeigen, die Sprache lernen und Teil der Gesellschaft werden.

Privat lebt er ein ruhiges Leben mit Frau und Kind, beim Fußball mit Freunden und kleinen Auszeiten. Für ihn hat Magdeburg dafür genau die richtige Größe. Grünflächen, bezahlbarer Wohnraum, kurze Wege – all das schätzt er heute besonders und ist für ihn „perfekt für Familien“. Seine Geschichte ist damit auch eine Geschichte über Zugehörigkeit, die zeigt, wie viel möglich ist, wenn man dranbleibt: vom Kind zwischen zwei Ländern zum Unternehmer in der Heimatstadt, vom Polizeitraum zum Meisterbetrieb.