Heimat entsteht, wo Menschen miteinander leben
Heimat entsteht, wo Menschen miteinander leben
Ella Töws und Thomas Pietsch
Heimat hat nicht immer etwas mit Herkunft zu tun, sondern mit einem Gefühl der Verbundenheit – mit dem Moment, in dem eine Stadt vertraut wird und man ein neues Leben beginnt. Für Ella Töws ist Magdeburg genau so ein Ort geworden.
Geboren im Süden Russlands, kam sie 1996 als Spätaussiedlerin nach Deutschland. Ein Neuanfang, der dennoch kein Sprung ins Unbekannte war. „Wir waren nicht die Ersten aus unserer Familie“, erzählt sie. Großeltern, Cousins und Cousinen lebten bereits in Wilhelmshaven und hatten erste Wege bereitet. „Es war schon ein gebautes Nest.“ Damit begann für sie ein sanfterer Start in ein neues Leben und dennoch ein Ankommen zwischen zwei Welten.
Nach der Schule geht sie nach Kassel, studiert Wirtschaftswissenschaften und lernt ihren heutigen Mann kennen. Mit der Entscheidung, zuerst eine Familie zu gründen, folgen sie dem Jobangebot ihres Mannes und ziehen weiter nach Magdeburg.
Heute sind sie mit ihren mittlerweile drei „echten Magdeburger Kindern“ hier zu Hause. „Magdeburg ist eine Oase, um Kinder großzuziehen“, sagt sie. Nicht zu groß, nicht zu klein, mit guten Schulen, Sportangeboten, kurzen Wegen und einem Lebensgefühl, das Familien Raum gibt. Gerade diese Nähe ist für sie auch beruflich wichtig, um den Familienalltag zu meistern. Nach Stationen in anderen Unternehmen arbeitet sie daher heute bei den Städtischen Werken Magdeburg und liebt es, so mitten im Geschehen zu sein.
Wenn Ella Töws über Magdeburg spricht, dann beschreibt sie nicht nur eine Stadt, sondern auch eine Entwicklung. „Damals war Magdeburg sehr weiß“, sagt sie rückblickend und meint damit die fehlende gesellschaftliche Vielfalt. Heute empfindet sie das anders: „Es ist schön, dass es ein bisschen multikulti wird.“
Für sie entsteht Weltoffenheit nicht automatisch, sondern sie beginnt im täglichen Miteinander. „Wenn man offen auf Menschen zugeht, dann spiegelt die Gesellschaft einem das auch wider“, ist sie überzeugt. Diese Offenheit lebt sie und hat sie selbst erlebt – im Kollegenkreis und im privaten Umfeld.
Diese Sicht teilt auch ihr Chef und Geschäftsführer der SWM, Thomas Pietsch. Er beobachtet den Wandel der Stadtgesellschaft seit vielen Jahren. Internationale Vielfalt gehört für ihn dabei längst zu Magdeburg dazu. „Das wird nicht besonders gefeiert“, sagt er. Aber genau das gefällt ihm: „Es ist selbstverständlich geworden.“
Vor allem die Universität bringt viele junge Menschen aus aller Welt in die Stadt und damit auch neue Perspektiven, Sprachen und Lebensgeschichten. Das hat einen großen Mehrwert für Magdeburg, ist aber auch eine Herausforderung – denn Integration braucht Begegnung, Zeit und gemeinsame Räume. Für ihn ist daher wichtig, dass „Menschen miteinander leben und nicht dauerhaft nebeneinander in getrennten Gruppen bleiben. Solange es eine Durchmischung gibt, ist das ein total angenehmes Miteinander.“
Beide verbindet der Blick auf ein Magdeburg im Wandel. Eine Stadt, die sich baulich verändert hat, aber auch gesellschaftlich wächst. Aus vielen grauen Ecken sind lebenswerte Viertel geworden, entlang der Elbe sind neue Räume zum Arbeiten und Leben entstanden. Für Thomas Pietsch ist Magdeburg deshalb eine Stadt mit großem Potenzial – weil sie sich Schritt für Schritt entwickelt und dabei ihren eigenen Charakter behält.
Für Ella Töws zeigt sich Magdeburg vor allem im Alltag: in den Möglichkeiten für Familien, im Gefühl von Zugehörigkeit und in der Ruhe einer Stadt, die genug Platz lässt, um anzukommen.
„Ich würde nirgendwo anders hinziehen wollen“, sagt sie. „Magdeburg ist meine Lieblingsstadt.“
Gründe dafür gibt es viele, denn Magdeburg ist keine Stadt, die sich laut inszeniert, sondern eine, die Raum gibt – für ganz unterschiedliche Geschichten und für Menschen, die neugierig bleiben. Magdeburg ist eine Stadt, die Menschen nicht fragt, woher sie kommen, sondern ob sie bleiben möchten.