Integration braucht Sprache und Offenheit
Als Elena Herrmann Anfang der 1990er Jahre als junge Studentin aus der Millionenstadt Kiew nach Magdeburg kam, fand sie die Stadt zunächst grau und trist. „Das war ein Kulturschock“, erinnert sie sich. Doch sie blieb – erst wegen des Studiums und später aus Überzeugung. Heute, nach mehr als drei Jahrzehnten, sagt sie klar: „Magdeburg ist meine Heimat.“
Geboren wurde Elena Herrmann in Kiew, damals noch Teil der Sowjetunion. Dort lernt sie auch ihren Mann kennen, einen Deutschen aus Brandenburg, der an einer Militärakademie studiert. Mit der politischen Wende ändert sich plötzlich alles. Die Truppen werden abgezogen, das Paar heiratet und sie geht mit ihm nach Magdeburg.
„Mein Wunsch war immer zu studieren“, erzählt sie. An der Universität findet sie dafür die richtigen Voraussetzungen und setzt ihr Studium der Wirtschaftsmathematik erfolgreich fort. Während viele Anfang der 90er Jahre den Osten Deutschlands verlassen, entscheiden sie sich zu bleiben – auch wenn sie zunächst überzeugt sind, ihr Weg würde sie irgendwann auch in den „schöneren Westen“ führen.
Nach dem Studium arbeitet sie bei der Stadtsparkasse Magdeburg. Doch ihr eigentliches Interesse gilt der Produktion. „Ich bin ein Optimierer von Hause aus“, sagt sie lachend. Daher wechselt sie zu Schwan‘s Food, einem internationalen Unternehmen in Osterweddingen. Dort kann sie erstmals ihre Englischkenntnisse im Berufsalltag einsetzen und wertvolle Erfahrungen in einem globalen Konzern sammeln. Gleichzeitig erkennt sie: „Auch große Unternehmen kochen nur mit Wasser.“
Diese Erkenntnis gibt ihr den Mut zur Selbstständigkeit und so gründet sie 2005 - zunächst nebenberuflich - die ePlan consult GmbH. Was als kleines Einzelunternehmen beginnt, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen Bildungs- und Beratungsunternehmen mit mittlerweile rund 20 Mitarbeitenden.
Heute unterstützt Elena Herrmann Gründerinnen und Gründer, organisiert Weiterbildungsangebote und begleitet Menschen bei ihrem beruflichen Neustart. Besonders wichtig ist ihr dabei die Arbeit mit Jugendlichen sowie mit Migrantinnen und Migranten. Ihre Integrations- und Sprachkurse helfen Menschen aus unterschiedlichsten Ländern, in Deutschland anzukommen und beruflich Fuß zu fassen.
„Der Schlüssel zum Erfolg ist die Sprache“, davon ist sie überzeugt und wiederholt diesen Satz daher auch immer wieder zu Beginn ihrer Kurse. Gute Sprachkenntnisse sind der wichtigste Schritt zu Respekt, Teilhabe und Integration.
Durch ihre vielen Kontakte stellt sie auch fest, wie sehr sich die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat: „Magdeburg hat sich sehr zum Positiven entwickelt – sowohl äußerlich als auch innerlich.“ Die Stadt ist internationaler, vielfältiger und offener geworden.
Besonders die Hochschulen und Forschungseinrichtungen tragen dazu bei. Viele internationale Studierende kommen bewusst nach Magdeburg, weil die Stadt gute Hochschulen, vergleichsweise moderate Lebenshaltungskosten und echte Perspektiven bietet. Bei ihrer täglichen Arbeit erlebt sie dann, wie wichtig internationale Fachkräfte für die Zukunft der Stadt sind. „Magdeburg ist eine weltoffene Stadt geworden“, sagt sie überzeugt und sieht darin eine große Chance – wirtschaftlich wie gesellschaftlich.
Auch persönlich fühlt sie sich längst angekommen. Ihre Kinder wurden in Magdeburg geboren und sind hier aufgewachsen. „Ich lebe inzwischen länger in Magdeburg als in Kiew“, sagt sie. Dass sie geblieben ist, hat sie nie bereut – ganz im Gegenteil.
Ihr Lieblingssatz beschreibt vielleicht am besten, wie sie auf ihr Leben blickt: „Es ist überall dort schön, wo wir sind, denn wir gestalten unser Leben und unsere Umgebung selbst.“ Genau das tut Elena Herrmann seit weit mehr als 30 Jahren in Magdeburg – engagiert, weltoffen und mit dem festen Glauben daran, dass Vielfalt eine Stadt stärker macht.