Brückenbauer zwischen den Welten
Als Deeban Mathivanan 2009 aus Südindien zum Masterstudium nach Magdeburg kam, war Deutschland eigentlich nur seine dritte Wahl. Und doch war dies der Anfang einer tiefen Verbindung. „Ich bin so lange in Magdeburg, das ist meine Heimat, mein Zuhause“, sagt er stolz. Ein Satz, der spüren lässt, wie sehr er hier angekommen ist.
Geboren in Madurai, einer der ältesten Städte Indiens, führte ihn sein Weg zum Elektrotechnikstudium nach Deutschland und hier direkt nach Magdeburg. Die Entscheidung war damals vor allem akademisch geprägt. Doch aus einem Studienort wurde sein neuer Lebensmittelpunkt.
Nach beruflichen Stationen in Stuttgart und Berlin kam er zurück an die Elbe. Zusammen mit seiner Frau, ebenfalls einer Inderin, entschied er sich aufgrund des Gemeinschaftsgefühls für ein Leben in Magdeburg: „Wenn wir nicht in Magdeburg bleiben, dann nur in Indien. Nicht irgendwo in einer anderen deutschen Stadt“, darin waren sich beide einig.
Heute ist Deeban Mathivanan Unternehmer, Innovator und wichtiger Impulsgeber für die internationale Stadtgesellschaft. „Ich wollte schon immer eine eigene Firma gründen, aber eigentlich in Indien“, erinnert er sich. Heute hat er sogar zwei eigene Unternehmen – allerdings in seiner neuen Heimat Magdeburg.
Mit seiner IT-Firma und der Recruiting-Firma, die auf Fachkräftevermittlung im Pflegebereich spezialisiert ist, schlägt er nicht nur Brücken zwischen Indien und Deutschland, sondern leistet besonders im Gesundheitswesen einen wertvollen Beitrag. Über eigene Sprachschulen und Vorbereitungskurse in Indien bereitet er Fachkräfte auf ihren Weg nach Deutschland vor. Internationale Zusammenarbeit wird hier ganz konkret gelebt.
Sein Engagement reicht jedoch weit über den wirtschaftlichen Bereich hinaus. Als Vorsitzender von Magdeburg Indians e.V. prägt er seit Jahren das Leben der indischen Community in der Landeshauptstadt. „Als ich hier ankam, gab es nur sehr wenige Inder in Magdeburg“, erzählt er. Aus dieser kleinen und eher isolierten Gruppe ist mittlerweile eine lebendige Gemeinschaft mit mehr als 2.000 Menschen geworden. „Die indische Community hier an der Universität ist die größte unter den ausländischen Studierenden.“ Für viele von ihnen ist er Wegbegleiter, Ratgeber und Netzwerker.
Besonders am Herzen liegt ihm dabei die Integration neuer Studierender. Schon vor ihrer Ankunft in Deutschland knüpft der Verein Kontakte, organisiert Webinare und unterstützt bei den ersten Schritten in der neuen Heimat. Vom Empfang am Hauptbahnhof bis zur ersten Unterkunft – Hilfe beginnt hier mit offenen Armen. Dabei ist ihm aus eigener Erfahrung eines besonders wichtig: „Sprache ist die Tür für die Kulturen“. Wer verstehen und dazugehören will, muss die Sprache lernen und offen aufeinander zugehen.
Genau darin sieht Deeban Mathivanan auch den Schlüssel für ein weltoffenes Miteinander. Er ermutigt neue Studierende, ihre Komfortzone zu verlassen und Magdeburg aktiv kennenzulernen. Bei Stadtführungen erklärt er daher nicht nur Architektur und Geschichte, sondern auch die gesellschaftlichen Entwicklungen der Stadt. „Wir müssen rausgehen. Wir müssen mit den Leuten aktiv sprechen.“ Sein Ziel: Verständnis schaffen – auf beiden Seiten.
Magdeburg erlebt er als offene und unterstützende Stadt. „Ich bin sehr froh, dass ich nach Magdeburg gekommen bin“, sagt er und schätzt dabei besonders die Überschaubarkeit und das starke Gemeinschaftsgefühl. Hier kennt man einander, hier entsteht Nähe. „Das Gefühl ist wie in einer Kommune.“
Dieses Motto lebt Deeban Mathivanan und bringt Menschen zusammen – zwischen Kulturen, zwischen Kontinenten und mitten in Magdeburg. Mit seinem Engagement zeigt er, wie Weltoffenheit durch Begegnung, Respekt und gemeinsame Zukunft gelebt wird. Und genau deshalb ist Magdeburg für ihn nicht nur ein zufälliger Ort auf der Landkarte, sondern ein Zuhause mit offenen Türen.