Weltoffenheit als Chance für die Wirtschaft
Angela Brockmann ist in Wismar geboren und eigentlich Dolmetscherin für Französisch und Russisch. Als sie Mitte der 1980er Jahre nach Magdeburg kam, begann für sie ein neuer Lebensabschnitt – einer, der sie bis heute prägt. Auch wenn der Start nicht ganz einfach war, da sie nach dem Studium in Leipzig eigentlich zurück an die Ostsee wollte, blickt sie mit einem Lächeln darauf zurück. „Ich habe mich sofort überall beworben – bloß weg aus Magdeburg“, erinnert sie sich. Die Stadt war grau, geprägt vom Schwermaschinenbau, laut und wenig einladend. Heute, über 40 Jahre später, ist Magdeburg ihr Zuhause und der Ort, an dem sie ihre unternehmerische Heimat gefunden hat.
Ihr Weg in die Wirtschaft begann nach der Wende, in einer Zeit voller Umbrüche. „Es war aufregend“, sagt sie rückblickend. Während viele Unsicherheit erlebten, sah sie vor allem Möglichkeiten. „Ich habe gedacht: Was soll dir passieren? Du bist jung, du findest irgendwas.“ Mit dieser Haltung gründete sie 2001 ihr Unternehmen, die ABROTEC Energietechnik GmbH, und entwickelte es zu einem bundesweit tätigen Anbieter für intelligente Energielösungen. Ein komplexes Feld, das technisches Know-how und wirtschaftliches Gespür vereint.
Ihr Unternehmen steht beispielhaft für den Wandel der Region: weg von alten Strukturen, hin zu Innovation und Spezialisierung. Denn die Wirtschaft im Osten musste sich nach der Wende neu erfinden. Während große Industriebetriebe verschwanden, entstand ein Mix aus mittelständischen Unternehmen. „Wir haben nicht so viele Big Player“, sagt Brockmann, „wir haben einen starken Mittelstand.“ Und dieser sei offen für internationale Märkte – auch wenn der Weg dorthin Zeit und Investitionen erfordere.
Für sie ist eines ganz klar: „Zukunft entsteht nicht im Stillstand, sondern nur durch Offenheit.“ Diese Offenheit betrifft auch das Thema Zuwanderung, für das sie deutliche Worte findet. „Wir brauchen unbedingt Zuwanderung, denn in vielen Branchen ist sie längst unverzichtbar.“ Ohne Zuwanderung gäbe es vor allem im Bereich der Pflege, Gastronomie und Logistik einen immensen Arbeitskräftemangel und damit massive Probleme. „Wir müssen eigentlich froh sein, wenn sich jemand dafür entscheidet, nach Magdeburg zu kommen.“
In ihrem eigenen Unternehmen ist Vielfalt selbstverständlich, denn für Brockmann zählt, was Menschen leisten und wie sie sich einbringen – nicht, wo sie herkommen: „Alle unsere Mitarbeiter sprechen Deutsch – teilweise mit Akzent. Aber wen stört’s?“ Ihre eigene Biografie als Dolmetscherin und ihre internationalen Erfahrungen haben ihren Blick dabei natürlich geprägt. Offenheit ist für sie keine abstrakte Idee, sondern gelebter Alltag.
Auch die Stadt hat sich aus ihrer Sicht grundlegend verändert. „Die Stadt von damals hat mit der von heute nichts mehr zu tun“, sagt sie und freut sich über den Wandel. Besonders die Entwicklung rund um die Elbe und die wachsende kulturelle Vielfalt sieht sie positiv. „Magdeburg ist internationaler geworden – und das ist gut so.“
Trotz aller Fortschritte bleibt sie realistisch und sieht noch viele Aufgaben und Herausforderungen, die vor der Stadt liegen. Gerade die wirtschaftliche Entwicklung braucht immer wieder neue Impulse, Investitionen und Ideen. Dazu gehört auch, aktiv zu sein und sich über den eigenen Tellerrand hinaus zu engagieren. Dieses Engagement erhofft sie sich noch mehr von der jungen Generation und vor allem auch mit Blick auf junge Unternehmerinnen und Unternehmer.
Für die Zukunft ist sie überzeugt, dass Magdeburg gerade auch aufgrund seiner zentralen Lage gute Chancen hat. Neue Industrieansiedlungen, innovative Unternehmen und engagierte Menschen können die Stadt weiter voranbringen. „Wir sind ja nicht dümmer als die anderen. Das Potenzial haben wir!“, sagt sie selbstbewusst. Und genau darin liegt für Angela Brockmann die Stärke ihrer neuen Heimat: Hier gibt es Menschen die anpacken und daran glauben, dass Magdeburg noch viel vorhat.