Mut zur Schärfe und eine ordentliche Prise Humor

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze war zu Gast beim „Magdeburger Allerlei“

Als diese Ausgabe vom „Magdeburger Allerlei“ geplant wird, ist vieles in der Landespolitik Sachsen-Anhalts noch anders als heute. Es braucht eine lange Vorlaufzeit, um Termine zu blocken und alles vorzubereiten. Die Einladung zur Kochshow erhält Sven Schulze damals als Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten – als das Gespräch in der Showküche im Theatercafé „Rossini“ stattfindet, ist er Ministerpräsident.

Vor allem aber ist er an diesem Abend ein Gast, der Chili con Carne kocht, in Plauderlaune ist und das Publikum bestens unterhält. „Wir möchten heute den Menschen kennenlernen“, leitet Stadtmanager Georg Bandarau die Talkrunde ein. Dass sich Politik und seine Beziehung zum Bundesland sich trotzdem nicht ausblenden lassen, wird schnell deutlich: Das sind Themen, die den CDU-Politiker bewegen – auch, weil er sich nahezu rund um die Uhr damit beschäftigt. Beim Taco-Naschen gibt der Ministerpräsident erste Einblicke in seinen Tagesablauf: Der Wecker klingelt für ihn meist gegen 6 Uhr, die Arbeitstage enden selten vor 23 Uhr.

Warum er ausgerechnet dieses Rezept zum „Magdeburger Allerlei“ mitbringt, erklärt Sven Schulze so: „Es ist einfach zu kochen, schmeckt gut und kann in viele Tupperdosen verteilt werden.“ Die Vorratsdosen sind für ihn ein wichtiges Thema, weil er oft unterwegs ist und sich „nicht immer nur ungesund“ ernähren möchte. Und als Schmankerl obendrauf erfahren die Zuschauerinnen und Zuschauer, dass Sven Schulze Milchreis mit Zimt, Zucker und Butter liebt – und dafür sogar nachts aufsteht: „Auch, wenn das sehr unvernünftig ist.“

Beim Anbraten und Einrühren der Zutaten gibt es viel über seinen beruflichen Werdegang zu erzählen: wie viele ihm prophezeien, er würde „wohl Bauer werden“. Vom Studium, das „sehr hart war“, und davon, wie er sich als junger Ingenieur im Unternehmen gegen „alte Hasen“ durchsetzen musste: „Die dachten, sie können Katz’ und Maus mit mir spielen.“

Nie hätte er gedacht, dass er später beruflich in die Politik wechselt, sagt Sven Schulze beim Würzen und Rühren. Dann ruft das Europaparlament – und der Sachsen-Anhalter folgt dem Ruf aus Straßburg ab 2014 für sieben Jahre. Als es darum geht, einen Ministerposten im Heimatbundesland zu übernehmen, legt er Wert darauf, „dass es ein Bereich ist, in dem ich mich auskenne“. Er wird Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten.

Fast vergisst er bei diesen Erinnerungen weiter im Topf zu rühren. Die Kochlöffel gibt er allerdings nicht aus der Hand, meint stattdessen lachend: „Wenn es verbrennt, machen wir es eben wieder neu.“ Hin und wieder rührt er dann doch im Chili con Carne, das schon lecker duftet. Insgesamt präsentiert sich der eher als pragmatischer Koch, erklärt kurzerhand: „Wenn es nicht schmeckt, machen wir einfach Brühe dran.“

Stattdessen fügt Sven Schulze viele Prisen Anekdoten hinzu und zeigt sich häufig als Privatmensch. Als solcher lebt er gern in Magdeburg, „weil hier jeder jeden kennt“. Er radelt gern, „weil es schon etwas anderes ist, als immer aus dem Auto auszusteigen“, geht gerne einkaufen, räumt im Haushalt am liebsten die Spülmaschine ein und verbringt freie Zeit beim Wandern – am besten allein, „um unabhängig zu sein und den Kopf freizukriegen“.

Wenn er über Magdeburg nachdenkt, vergleicht der MP gern zwischen der Stadt, die er aus Kindheitstagen kennt, und die von heute: „Es hat sich sehr viel getan, ich bin stolz auf unsere Landeshauptstadt.“ Ist er nicht als Landesvater, sondern als Papa unterwegs, begleitet er hier auch seine Kinder und lernt so Menschen kennen, die sich beispielsweise in Vereinen engagieren. „Die Menschen hier“, betont Sven Schulze, „sind ein besonderer Schlag, die muss man verstehen können.“ Gerade im Westen könnten viele nicht einordnen, was hier in den vergangenen Jahren passiert ist, und „warum man hier anders über die Zukunft nachdenkt“.

Als das Chili con Carne köchelt, geht der einstige Wirtschaftsminister auf Intel ein. „Wir haben hart dafür gearbeitet“, sagt er. Dass der Konzern am Ende doch nicht in Magdeburg gebaut hat, ist für ihn „kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken“. Im Gegenteil: „Dass große Konzerne jetzt auf den Standort Sachsen-Anhalt blicken, hängt mit Intel zusammen.“ Auf dem Gelände soll Wertschöpfung entstehen. Sven Schulze sagt: „Unsere jungen Erwachsenen sollen in Sachsen-Anhalt ihre Zukunft sehen. Mir hat man damals noch geraten, wegzugehen. Das soll hier niemand mehr hören.“ Dann spricht er von „vielen heißen Eisen“, die das Bundesland noch im Feuer hat.

Hin und wieder probiert Sven Schulze, was im Topf entsteht. Das Gespräch bleibt dabei stets im Fluss und wechselt zwischen humorvollen Antworten („Die Zeit ist abgelaufen? Nein. Ich glaube, wir haben noch Jahrzehnte vor uns.“) und ernsten Statements („Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht auseinanderdividieren lassen.“).

Am Ende beweist der Ministerpräsident noch großen Mut für einen Hobbykoch und spart nicht mit Chilipulver – trotz Warnung, dass es sehr scharf ist. Dann verspricht er, wiederzukommen: „Schließlich war Reiner Haseloff auch zweimal hier.“ Und was dann auf dem Menü stehen wird, weiß er auch schon: „Spaghetti Bolognese. Das ist einfach.“

Was darüber hinaus in der Talk-Showküche besprochen wurde ist in der neuen Folge des „Magdeburger Allerlei“ auf unserem YouTube-Kanal zu sehen.