Offenheit bringt neue Perspektiven

Offenheit bringt neue Perspektiven

Sam und Jan Mielert

 

Es gibt einige Lieblingsorte für ihn in Magdeburg, erzählt Sam: seinen Arbeitsplatz, das kleine Reihenhaus, die Gemeinde, den Herrenkrug – „und fast überall an der Elbe“. Dass er sein Herz einmal so an diese Stadt verlieren und hier so tiefe Wurzeln schlagen würde, war 2024 noch nicht unbedingt absehbar. In diesem Jahr kommt der Iraner über Umwege nach Deutschland. Er verlässt seine Heimatstadt Isfahan aus politischen Gründen. Dort, wo er aufgewachsen ist, fühlt er sich nicht mehr sicher, gerät zunehmend in Schwierigkeiten, wie er sagt.

Als er nach einer langen Reise in Magdeburg ankommt, fällt ihm zunächst vor allem auf: Die Stadt ist groß, aber nicht zu groß. Sie bietet urbanes Leben, ohne die Hektik von Metropolen wie Berlin. Das mag er sehr. Ein weiterer Pluspunkt sind für ihn die vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten. „Eigentlich wollte ich hier nur Deutsch lernen und Erfahrungen sammeln“, sagt er rückblickend. Doch dann nimmt das Leben eine andere Richtung – oder genauer: Jan Mielert tritt in sein Leben.

Der Geschäftsführer der „M3 – Magdeburger Messebau und Marketing GmbH“ erkennt sofort das Potenzial, das in Sams Bewerbungsmappe steckt. Neben einer fundierten Ausbildung im Umgang mit Holz bringt er ein ausgeprägtes Interesse für Design mit. Hinzu kommt die strategische Ausrichtung des Unternehmens: „Wir möchten internationaler werden“, erklärt der Magdeburger. Die Firma arbeitet bereits mit Kundinnen und Kunden in vielen Ländern und ist selbst häufig unterwegs, weit über regionale Grenzen hinaus. Was jedoch bislang fehlt, sind internationale Perspektiven im Team. „Sie bringt uns neue Perspektiven“, ist sich der Unternehmer sicher. Wie gewinnbringend das sein kann, zeigt die Integration von Sam. „Er passt hervorragend ins Team. Wir profitieren von seinem Können und davon, eine neue Kultur kennenzulernen.“

Für Sam beginnt mit der Entscheidung, in Magdeburg zu bleiben, nicht nur ein neuer beruflicher Abschnitt, sondern auch ein Lernprozess. Vieles ist anfangs ungewohnt: die Sprache, die Abläufe im Arbeitsalltag, die oft direkte Art der Kommunikation. „Ich musste mich erst daran gewöhnen, wie Dinge angesprochen werden“, sagt er. Gleichzeitig erlebt er darin eine Chance. Dass es anfangs auch Vorbehalte gibt, nimmt Sam gelassen. „Das war für mich nicht entscheidend“, sagt er. „Ich begegne allen Menschen freundlich und respektvoll – meistens kommt das genauso zurück.“ Auch beim Messebauer weicht die anfängliche Skepsis schnell einer Offenheit gegenüber dem ersten Mitarbeiter mit ausländischen Wurzeln. „Man musste sich erst auf mich einlassen, so wie ich mich auch auf die neue Umgebung“, sagt er. „Zusammenwachsen funktioniert nur, wenn beide Seiten offen sind.“

Heute ist er nicht nur fest im Team integriert, sondern auch häufig mit Kolleginnen und Kollegen auf Reisen – und lernt dabei Deutschland immer besser kennen. Auch privat ist er angekommen: In der Ottostadt hat er Freundschaften geschlossen, mit Menschen unterschiedlichster Herkunft. Eine wichtige Rolle spielt dabei sein ehrenamtliches Engagement in der freikirchlichen Gemeinde. „So habe ich schnell Zugang zur Stadtgesellschaft gefunden“, erzählt er. Und lobt auch seinen Chef: „Jan ist sehr offen, das gibt mir das Gefühl, hier etwas aufbauen zu können.“ Jan Mielert hört das gern, bleibt aber realistisch: „Der Start war nicht einfach. Die Bürokratie, etwa wegen des fehlenden Aufenthaltstitels, war eine echte Herausforderung.“ Solche Prozesse müssten deutlich einfacher werden. Für ihn ist Sam ein Beispiel gelungener Integration: „Weltoffenheit steht uns gut.“ Und er sieht großes Potenzial für Magdeburg, sich als internationaler Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln: „Das wird auch die Gesellschaft positiv prägen und noch offener machen.“