Nicht mehr auf der Durchreise
Acht Jahre Kambodscha, fünf Jahre Vietnam, vier Jahre Berlin und fünf Jahre Japan – Rabea Brauer hat die Welt gesehen. Nach ihrem Studium der Amerikanistik, Germanistik und Politikwissenschaften an der Martin-Luther-Universität in Halle zieht es die gebürtige Nordhäuserin aufs internationale Parkett hinaus. „Als die Wende kam, hatte ich die Möglichkeit, in die Welt hinauszugehen“, sagt die Landesbeauftrage der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sachsen-Anhalt. „Ich habe an der Radford University in Virginia in den USA studiert. Ich wollte meine Abschlussarbeit über Bob Dylan schreiben und Musikjournalistin werden.“ Dazu kommt es nicht, denn Rabea Brauer geht einen anderen, der Welt zugewandten Weg. Ein im wahrsten Sinne des Wortes grenzenloses Switchen zwischen Ländern, Kulturen, Menschen, Sprachen und beruflichen Aufgaben. „Asien ist sehr heterogen, es gibt nicht das eine Asien. Es gibt in jedem Land neue Regeln und eine andere Etikette. Wer sich darauf einlässt, hat verdammt viel Freude daran. Sich fallen zu lassen und zu diesen Kulturen dazuzugehören, ist etwas, was ich nicht missen möchte.“ Und irgendwann wisse man auch, sagt Rabea Brauer mit einem Lächeln, wie die Stäbchen liegen und wie tief die Verbeugungen sein müssen.
Seit 2025 ist Magdeburg ihr Zuhause. Inzwischen schaut sie auf Dom und Elbe und sagt: „Hier will ich nicht mehr auf der Durchreise sein. Ich möchte hier noch viele Jahre mit wirken dürfen.“ Bevor sie in den Dienst der Stiftung eingetreten ist, hat Rabea Brauer unter anderem die Abteilung Demokratieförderung, Rechtsstaatentwicklung und Menschenrechte in der EU-Vertretung in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh geleitet. Erfahrungen in der Landes- und Kommunalpolitik sammelt sie unter anderem als Sprecherin des Innenministeriums in Thüringen. Seit 2024 arbeitet sie wieder in Magdeburg – erst in Brandenburg, nun in Sachsen-Anhalt. Was hat sie motiviert, von der Auslandsarbeit hierher zu wechseln? „Ich wollte näher dran sein an den Menschen.“ Es gehe vor allem darum, Diskurse in die Gesellschaft zu bringen und sie mit den Themen zu verknüpfen, die essenziell sind.
„Magdeburg war für mich vorher nie so präsent wie Halle, wo ich studiert habe. Die Ottostadt zu entdecken, hat mir großen Spaß gemacht. Und Sachsen-Anhalt ist geschichtlich wie landschaftlich einfach sehr reizvoll.“ Seit Rabea Brauer in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt wohnt, lebt und arbeitet, ist ihr schon des Öfteren ein „Boah, ist das schön!“ über die Lippen gekommen. „Sesshaft werden war ein toller Prozess. Magdeburg macht es einem sehr einfach. Wenn man als Neuling mit offenem Herzen kommt, umarmt einen die Stadt.“ Die Politikwissenschaftlerin baut schnell ein „Stadtgefühl“ auf, kürt gemeinsam mit der Familie den aufsteigenden Stadtteil Buckau zu ihrem Kiez, in dem sie es auch „irgendwie heimelig und ein bisschen dörflich“ findet. Magdeburg, ordnet Rabea Brauer ein, biete sich schnell als Zuhause an.
„In meinem Job bei der Stiftung spielen Transformationsprozesse eine große Rolle, zum Beispiel die von der Gesellschaft. Auch in Magdeburg spüre ich einen Wandel. Jeder Stadtteil hat besondere Strukturen – auch „mein“ Buckau steht für Umbrüche.“ Rabea Brauer wünscht sich von den Menschen, dass sie die Arme weit offenhalten, ins Gespräch kommen und dass sie jeden im Stadtbild vorurteilsfrei begegnen. Eigene Erfahrungen spielen da eine entscheidende Rolle. „Ich war viele Jahre in Japan und habe als Ausländerin selbst Ausgrenzung erfahren.“ Die Gesellschaft sieht sie in der Pflicht, sich für Weltoffenheit zu engagieren und „Wohlfühleffekte“ zu schaffen. „Ich wünsche mir, dass wir die vorhandenen Verschließungsmechanismen aufbrechen und Weltoffenheit leben können.“