Weltoffene Wissenschaft im Herzen der Stadt

Weltoffene Wissenschaft im Herzen der Stadt

Prof. Dr. Dominique Thévenin

 

Seit mehr als zwei Jahrzehnten prägt Prof. Dr. Dominique Thévenin die Otto-von-Guericke-Universität und ist gleichzeitig selbst von ihr geprägt worden. Der gebürtige Franzose war Professor in Paris bevor er 2002 nach Magdeburg kam. Was zunächst wie eine von mehreren Optionen wirkte, wurde schnell zu einer bewussten Entscheidung – für eine Universität mit Entwicklungspotenzial und eine Stadt mit Lebensqualität.

„Ich bin jetzt 24 Jahre hier“, sagt er mit einem Akzent, bei dem jeder sofort weiß, woher er kommt. Seine akademische Laufbahn begann in Frankreich, wo er an einer Grande École lehrte, einem eigenständigen universitären System der Ingenieursausbildung. Doch der Wechsel nach Deutschland war nicht nur aus Karrieregründen, sondern auch aus dem Wunsch nach persönlicher Veränderung.: „Ich habe meine Frau während meiner Promotion in Paris kennengelernt. Sie war dort als deutsche Austauschstudentin.“ Irgendwann stellte sich die Frage, wo sie beide zusammen leben und arbeiten wollen.

Gemeinsam suchten sie nach einem Ort, der sowohl beruflich als auch privat Perspektiven eröffnete. Schließlich fiel die Entscheidung auf Magdeburg. „Magdeburg ist ein bisschen die andere Seite der Medaille zu Paris“, erzählt er mit einem Schmunzeln. „Hier konnten wir uns ein schönes Haus im Stadtzentrum leisten. In Paris bekommt man dafür einen besseren Parkplatz“.

Für ihn war die Stadt an der Elbe ein guter Kontrast und die perfekte Mischung aus Ruhe und Nähe zur Natur, aber gleichzeitig auch beruflichem Gestaltungsspielraum und vielen Möglichkeiten, Neues zu entwickeln. Als junger Professor traf er auf eine Universität im Aufbau – eine Chance, die er nutzte: „2002 war meine Fakultät noch ganz am Anfang, da konnte ich viel bewegen.“

Ein zentrales Thema seiner Arbeit ist die Internationalisierung. Schon früh setzte die Fakultät auf englischsprachige Masterstudiengänge. Heute ist sie eine der internationalsten an der Universität – sowohl was die Studierenden betrifft als auch die Lehrenden. „Wir sind die erste Fakultät, in der mehr als die Hälfte der Studierenden nicht deutsch sind, sondern aus der ganzen Welt kommen.“ Diese Vielfalt sieht Thévenin als große Stärke. Für ihn ist das Ausdruck einer lebendigen, weltoffenen Wissenschaftskultur. Gleichzeitig sieht er darin auch Herausforderungen, denn „es ist wichtig, dass wir attraktiv bleiben für alle“.

Was ihn besonders beeindruckt, ist der Wandel in der Motivation internationaler Studierender: „Früher kamen die meisten nur für das Studium und gingen dann zurück. Heute wollen viele bleiben, Deutsch lernen, hier arbeiten. Das ist eine große Chance, gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel.“

Die Universität selbst beschreibt er als ideal dimensioniert: groß genug für exzellente Forschung, klein genug für persönlichen Austausch und zur aktiven Mitgestaltung. „Man kennt sich und das ermöglicht eine enge Zusammenarbeit.“

Sein großes Ziel ist die Exzellenzinitiative: „Die Anerkennung als Exzellenzuniversität ist die höchste Stufe, die wir erreichen können und die sehr helfen würde – hinsichtlich der Sichtbarkeit und um in der Top-Liga mitzuspielen.“ Bisher muss sich die Universität immer etwas mehr beweisen als die bekannten Institutionen. Doch genau das macht es für ihn auch spannend, denn er wurde hier nie gebremst, sondern immer unterstützt. „Wenn man etwas bewegen will, bekommt man die Möglichkeit dazu“, schaut er mit Tatendrang in die Zukunft.

Auch persönlich hat Thévenin in Magdeburg längst ein Zuhause gefunden. „Natürlich vermisse ich meine Familie in Frankreich, aber das hätte ich überall außerhalb meiner Heimat.“ Die Entscheidung, in Deutschland zu bleiben, hat er nie bereut. „Ich bin Franzose geblieben – doch Magdeburg ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden.“ Und so blickt er mit Stolz auf eine Stadt, die sich kontinuierlich entwickelt und auf eine Universität, die ihren eigenen Weg gefunden hat.