Die Welt ist immer weltoffen
Neue Technologien werden nicht an einem einzigen Ort entwickelt. Sie sind die Summe innovativer Lösungen, die auf der ganzen Welt entdeckt und weitergedacht werden. Das ist auch in der Energiebranche nicht anders, wo Fortschritte aus verschiedenen Ländern und Forschungseinrichtungen kommen. „Vor allem das Thema Energie läuft immer über internationalen Wissenstransfer“, betont Dr. Marc Richter vom Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) in Magdeburg. „Im besten Fall geht es um die Übernahme von Best Practices.“ Marc Richter leitet die Abteilung Energiesysteme und Infrastrukturen im IFF und ist mit seinem 25-köpfigem Team in Projekten in Griechenland, Rumänien, Polen, Italien oder der Türkei aktiv. Immer gehe es auch darum, voneinander zu lernen. „Der Fokus im Energiesektor liegt auf Nachhaltigkeit, unabhängig von den politischen Rahmenbedingungen.“ Weltoffenheit ist in der beruflichen Welt des gebürtigen Magdeburgers heute weniger eine Option als eine Notwendigkeit. „Und das zieht sich bis in mein Team hinein, das aus vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Ausland besteht. Auf dem Flur sprechen wir Deutsch und ist Englisch.“ Passen müssen sowohl das Fachliche als auch das Menschliche. „Es muss ein Gefüge werden, sonst gibt’s kein Commitment. Das hört nicht nach acht Stunden am Schreibtisch auf“, sagt Marc Richter. Die Herkunft spielt da einfach keine Rolle. So tragen sich weltweites Know-how, Kooperationen und Technologietransfers bis in regionale Netzwerke hinein.
Marc Richter ist im Magdeburger Stadtteil Olvenstedt aufgewachsen, hat an der hiesigen Otto-von-Guericke-Universität studiert und 2016 auf dem Gebiet der elektrischen Energietechnik promoviert. Im Jahr 2020 hat er zudem an der Columbia University (NY) ein Post Graduate Diploma auf dem Gebiet Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz (KI) abgeschlossen. „Ich habe nach meinem Studium erst an der Uni gearbeitet und bin dann ins IFF gewechselt“, blickt er zurück. „Ich wurde immer hier in Magdeburg platziert. Das waren keine Entscheidungen, die ich unbedingt immer selbst getroffen habe. Man kann sagen: Ich wurde immer geholt.“ Magdeburg bis heute nicht verlassen zu haben, hat er nie bereut. „Ich habe hier Freunde und Familie, genieße die reichhaltige Kultur und entdecke immer wieder Orte mit Potenzial.“ Da ist es nur konsequent, dass der Wissenschaftler momentan ein Haus in der Neuen Neustadt baut, um auch künftig von seiner Geburtsstadt aus Forschungsprojekte realisieren zu können. Die drehen sich aktuell unter anderem um die Fragen, wie verfügbare Energien bestmöglich genutzt werden kann, wie KI dabei unterstützen kann und welche Synergieeffekte entstehen können.
Für seine sachsen-anhaltische Heimatregion wünscht er sich auf dem Energiesektor mehr Partizipation. „Wir haben das Potenzial, Erneuerbare zu produzieren, profitieren aber zu wenig davon“, ordnet er ein. „Zumindest profitieren wir nicht so, wie wir aus meiner Sicht profitieren sollten.“ IFF, Universität und die Fachhochschule Magdeburg-Stendal sieht Marc Richter inzwischen richtig gut aufgestellt. „Sie decken im Energiebereich ein großes, zukunftsfähiges Feld ab“, sagt er. Und sie tragen natürlich indirekt die benötigte internationale Manpower in die Stadt, denn viele Menschen aus anderen Herkunftsländern entscheiden sich ganz bewusst für ein Studium in Magdeburg, das sie als gediegen, grün, vielfältig und bezahlbar bezeichnen. Und im besten Fall bleiben sie der Elbestadt übers Studium hinaus erhalten - so wie Marc Richter. „Ein großer Teil meiner Freunde ist über den Globus verteilt“, berichtet er. „Wenn es darum geht, uns mal wieder sehen zu wollen, dann lautet die Antwort auf die Frage nach dem Treffpunkt meistens Magdeburg. Das zeigt wie weltoffen wir sind.“