Forschung kennt keine Landesgrenzen

Forschung kennt keine Landesgrenzen

Mansour Abboud und Prof. Dr. Lisa Underberg

 

Als Mansour Abboud 2010 zum ersten Mal nach Magdeburg kam, war es keine bewusste Entscheidung für die Stadt, sondern eine Möglichkeit international zu studieren. Der junge Informatikstudent aus Syrien war Teil eines besonderen Hochschulprojekts: Die erste deutsch-syrische Privatuniversität arbeitete damals eng mit der Otto-von-Guericke-Universität zusammen und ermöglichte ihm so, sein Abschlussjahr und damit sein Dual Degree in Magdeburg zu machen.

Was als Studienaufenthalt begann, wurde Schritt für Schritt zu einem neuen Lebensmittelpunkt. Nach dem Bachelor kehrte er noch einmal kurz nach Syrien zurück, entschied sich jedoch, für sein Masterstudium wieder nach Magdeburg zu gehen. „Es war einfach für mich, weil ich hier schon angekommen war. Ich hatte Freunde gefunden und mich wohlgefühlt. Ich glaube, Magdeburg wollte mich behalten“, erzählt er mit einem Lächeln. Mittlerweile sagt Mansour Abboud ganz selbstverständlich: „Magdeburg ist meine Stadt.“

Dazu gehört auch der Wissenschaftshafen, der für ihn längst mehr ist als ein Arbeitsplatz. Im ifak Institut für Automation und Kommunikation arbeitet er als Embedded Systems Engineer an Zukunftstechnologien: automatisiertes Fahren, intelligente Verkehrsinfrastruktur und digitale Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Systemen. Themen, die weltweit relevant sind – entwickelt mitten in Magdeburg.

Dass internationale Zusammenarbeit dabei unverzichtbar ist, erlebt er jeden Tag. „Man lernt voneinander. Jede Kultur bringt etwas mit“, sagt er. Für ihn ist Weltoffenheit daher keine abstrakte Idee, sondern gelebter Alltag – in der Forschung genauso wie privat.

Professorin Lisa Underberg, seit 2019 in Magdeburg und heute Institutsleiterin am ifak, beschreibt genau darin eine große Stärke des Standorts. „Für Forschung brauchen wir unterschiedliche Perspektiven. Innovation entsteht nur, wenn Menschen mit verschiedenen Erfahrungen zusammenkommen“, ist sie überzeugt. Gerade in der Wissenschaft ist Internationalität entscheidend, um globale Herausforderungen zu verstehen und neue Lösungen zu entwickeln. „Wenn kein Input von außen kommt, können wir uns nicht weiterentwickeln. Internationalisierung und Weltoffenheit sind daher essentiell, damit wir auch zukünftig exzellente Forschung betreiben können.“

Der Wissenschaftshafen ist dafür ein sichtbares Symbol: „Hier arbeiten Menschen aus verschiedenen Ländern ganz selbstverständlich miteinander.“ Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Unternehmen und mittlerweile auch Wohnraum wachsen hier zusammen. „Es entsteht ein echtes Ökosystem“, freut sie sich über die Entwicklung. Und auch die Stadt insgesamt erlebt sie als sehr offen für Weiterentwicklung. „Hier gibt es so viele engagierte Menschen, die was voranbringen wollen.“

Für Mansour Abboud zeigt sich diese Offenheit der Stadt auch im Alltag. Er hat deutsche und internationale Freunde, Nachbarn aus unterschiedlichsten Lebenswelten. In seinem Kleingarten wird gemeinsam gegrillt, diskutiert und gefeiert. „Ich habe eigentlich keine Grenzen, wenn es um Menschen geht“, sagt er. „Wenn man gute Leute kennt, warum sollte man dann woanders hingehen.“

Besonders stolz ist er darauf, sich die deutsche Sprache selbst beigebracht zu haben. Er hat zwar auf Englisch studiert, wollte aber mehr als nur im internationalen Umfeld funktionieren. „Mit Freunden lernt man die Sprache – und auch die Sprüche“, erklärt er schmunzelnd. Sein Deutsch klingt deshalb nicht nach Lehrbuch, sondern nach Alltag und nach Leben in Magdeburg.

Mansour Abboud steht beispielhaft für eine Generation internationaler Fachkräfte, die nicht nur zum Arbeiten oder Studieren kommen, sondern bleiben, mitgestalten und Teil der Stadt werden. Seine Geschichte zeigt, wie aus einer Hochschulkooperation ein neues Zuhause entstehen kann. Oder wie er selbst sagt: „Himmel ist, wo die Leute sind.“ Und für ihn sind diese Menschen heute hier in Magdeburg.