Magdeburg statt Managua
Dass die Elbe für Dr. Gloria Robleto das Schönste an Magdeburg ist, ist angesichts ihres Arbeits- und Forschungsschwerpunkts nicht wirklich überraschend. Die gebürtige Nicaraguanerin ist Bauingenieurin von Beruf und hat sich in ihrem Studium auf Wasserwirtschaft fokussiert. Im Jahr 2006 kommt sie für ihren Masterabschluss aus ihrem mittelamerikanischen Heimatland nach Lüneburg in Niedersachsen. Ein Jahr später steht ein Praktikum in Magdeburg auf dem Plan. „Als ich meinen Abschluss in der Tasche hatte, bin ich einfach geblieben und habe hier eine neue Heimat gefunden“, sagt sie. Seitdem arbeitet sie am Magdeburger Institut für Automation und Kommunikation (ifak). Das 1991 aus der Universität Magdeburg heraus gegründete ifak ist ein selbstständiges ingenieurwissenschaftliches Forschungsinstitut. Es ist Mitglied der Deutschen Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse e.V. mit ihren deutschlandweit mehr als 75 Instituten. Im ifak betreut Gloria Robleto nationale und internationale Projekte rund um das Thema Wasser.
Ihr Leben in Magdeburg sei ein ruhiges und ausgeglichenes, betont die Wissenschaftlerin, die im Mittelstand-Digital Zentrum Magdeburg auch als Klima-Coach fungiert und sich ehrenamtlich in der Kathedralpfarrei St. Sebastian engagiert. „Ich komme aus Nicaraguas Hauptstadt Managua. Es ist eine Millionenstadt, alles ist groß, alles ist immer voll. Magdeburg war von Anfang an eine schöne Stadt für mich. Nicht zu groß, nicht zu klein und die Luftqualität ist wunderbar.“ Für Gloria Robleto verbinden sich in der grünen Elbestadt mittlerweile Arbeit und Liebe, denn sie hat längst einen Partner gefunden und 2011 ihre Tochter in Magdeburg zur Welt gebracht. Das Muttersein trägt nach eigener Aussage auch dazu bei, dass sich immer wieder Bekanntschaften und sogar Freundschaften entwickeln – allein die Begegnungen in Kindergarten und Schule seien wichtig. „Ich erlebe die Menschen als freundlich und hilfsbereit. Ich habe in Magdeburg persönlich noch nie eine Situation gehabt, in der mir Schlechtes wiederfahren ist.“ Gloria Robeto genießt das vielfältige Bildungs- und Freizeitangebot und die Veranstaltungen für Familien, die es im gesamten Stadtgebiet von Magdeburg an verschiedenen Orten gibt. „Und ich liebe die Vielfalt in der Gastronomie“, sagt sie.
Menschen aus Mittelamerika oder gar Nicaragua trifft Gloria Robleto sehr selten bis gar nicht. Ihr Arbeitsumfeld im ifak-Institut ist dafür umso internationaler – und wird es ihrer Wahrnehmung nach immer mehr. „Ich erlebe, dass mehr Menschen aus anderen Ländern hierherkommen. Nicht nur für ein Praktikum, sondern für immer. Sie bleiben gern und gehen in eine Festanstellung.“ Das, so schätzt Gloria Robleto, habe auch damit zu tun, dass sie im ifak ganz selbstverständlich weltoffen tätig sind und über den Tellerrand gucken müssen. „Wir arbeiten alle innerhalb eines weltweiten Netzwerks. Unsere Themen sind auf der ganzen Welt relevant.“
Regelmäßig besucht die Wasserexpertin ihre Familie in ihrem Heimatland. „Wenn ich da bin, vermisse ich Magdeburg ziemlich schnell. Und das, obwohl ich manchmal auch Heimweh habe“, erklärt sie. Doch das sei vor allem die Sehnsucht nach ihrer Familie, die in Nicaragua lebt. „Aber sie besuchen mich, so oft es geht. Meine Mutter kommt gern hierher. Am liebsten kommt sie im Winter, wenn es Aussicht auf Schnee gibt, denn den haben wir in Nicaragua nicht.“ Gloria Robleto ist sich sicher: Nach zwei Jahrzehnten in Magdeburg ist eine Rückkehr nach Mittelamerika ausgeschlossen.