„Die Stadt ist heterogener geworden“

„Die Stadt ist heterogener geworden“

Dr. Katja Michalak

 

Dr. Katja Michalak kennt die Welt und ihre Hörsäle. Zeit ihres Lebens hat die gebürtige Halberstädterin danach gestrebt, Ländergrenzen zu überschreiten, Wissen aufzusaugen und es weiterzugeben. Und obwohl ihr Denken von vielen Horizonten geprägt ist, ist Magdeburg der Ankerpunkt. „Ich bin die erste Zeit in Magdeburg zur Schule gegangen. Dann gingen wir als Familie für mehrere Jahre nach Rumänien, weil mein Vater dort gearbeitet hat. Er war Ingenieur im SKET“, erzählt Katja Michalak, die unter dem Dach der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt bis vor kurzem die Fachstelle Interkulturelle Öffnung und Kompetenzentwicklung (IKOE) leitete und zudem Dozentin an der Hochschule Merseburg im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und Informationswissenschaften ist. „Die sowjetische Botschaftsschule in Bukarest hat mich sehr geprägt.“ 1992 kehrt sie in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt zurück, um das Abitur zu machen. Anschießend studiert sie Politikwissenschaft, Psychologie und Slawistik an der Otto von Guericke-Universität. Was wie der Beginn eines ganz normalen Werdegangs aussieht, entwickelt sich zu einer Karriere, die sich wie eine Landkarte liest. Katja Michalak verfügt nicht nur über internationale Prägung – sie kann auch mit einer außergewöhnlich breiten akademischen und beruflichen Erfahrung aufwarten.

Während ihres Studiums in Magdeburg macht sie per DAAD-Stipendium einen kurzen Abstecher an das Moskauer Puschkin-Institut. 1999 geht sie in die USA – ebenfalls mit einem Stipendium in der Tasche. „Ich habe meinen Eltern erzählt, ich gehe für zehn Monate. Daraus sind neun Jahre geworden“, berichtet die zweifache Mutter mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Es treibt sie weiter nach Mexiko und Nicaragua, im Jahr 2007 promoviert sie in den USA. „Ich war sehr wissbegierig und interessiert am Thema Verwaltungswissenschaften mit Osteuropabezug“, so die Dozentin. „Forschungsergebnisse im Kreuzungsfeld von Verwaltungs- und Europawissenschaften und Psychologie flossen in meine Dissertation ein; eine Studie über die Verwaltungsreform in Rumänien, Bulgarien und Mazedonien.“

Es folgt eine mehrjährige Beschäftigung an der amerikanischen Universität in Bulgarien. Eine Zeit, die Katja Michalak rückblickend als „sehr prägend“ beschreibt. „Ich bin bis heute mindestens einmal im Jahr dort, wandere und treffe Freunde.“ In Bulgarien lernt sie auch ihren Ehemann kennen, kurze Zeit später wird er an die amerikanische Universität nach Almaty in Kasachstan berufen. „Ich selbst war inzwischen an die Zeppelin-Universität nach Friedrichshafen am Bodensee gewechselt, wo ich bis 2016 unterrichtet habe. Der Liebe wegen bin ich tatsächlich fast zwei Jahre lang einmal im Monat zwischen Almaty und Friedrichshafen gependelt.“

Und wie passt Magdeburg in diese „Souvenir-Sammlung“ aus Ländern und Arbeitswelten? Katja Michalak ist seit 2015 hier, ihre Kinder haben die deutsche und amerikanische Staatsbürgerschaft, sind aber „echte Machdeburjer“. Ihre heutige Heimatstadt hat sich aus Sicht von Katja Michalak „auf den Weg gemacht“, sich interkulturell zu öffnen und dies auch sichtbar zu machen. „Die Stadt ist heterogener geworden“, sagt die Mitbegründerin des Musikkulturvereins Mitteldeutschland und Fan des Moritzhofs. Den Grad der Weltoffenheit macht sie an einem ganz entscheidenden Punkt fest. „Selbst, wenn Strukturen und Rahmenbedingungen geschaffen werden; es ist immer nur so lange weltoffen, so lange die Menschen in der Stadt weltoffen sind.“ Magdeburg sei „ihre Metropole“, die sie als IKOE-Projektleiterin jeden Tag ein bisschen in die richtige Richtung bewegt hat. „Das IKOE vermittelte unter anderem interkulturelle Kompetenzen an die Stadtverwaltung Magdeburg und zivilgesellschaftliche Akteure in Sachsen-Anhalt.“ Magdeburg gibt der einstigen Wanderin zwischen fernen Universitäten und Kulturen ein Gefühl von Heimat. „Ich sage: Ich lebe in einer immer besser werdenden, weltoffenen Stadt.“