„Integration kommt nicht von außen“

„Integration kommt nicht von außen“

Dr. Jubran Rajub

 

Auf die Frage, wie sich Magdeburg seit der Wende verändert hat, antwortet Dr. Jubran Rajub prompt: „Gar nicht.“ Kaum ausgesprochen, muss er über seine Antwort schmunzeln. Sofort hat der im saudi-arabischen Riad geborene Wirtschaftsinformatiker Erklärungsbedarf. „Ich will dazu eine Anekdote erzählen. Anfang 1992 hat mich mein Onkel aus Frankreich hier in Magdeburg besucht. 25 Jahre später kam er wieder und war erstaunt. Er hat all die Veränderungen gesehen, die ich gar nicht mehr wahrnehme, weil sie jeden Tag um mich herum sind.“ Dass das heutige Magdeburg nicht mehr mit dem von 1990 vergleichbar ist, weiß Jubran Rajub nur zu gut. „Ich bin 1989 noch zu DDR-Zeiten aus Jordanien, wo ich aufgewachsen bin, nach Deutschland gekommen. Erst Nordhausen, dann Magdeburg.“ Er studiert an der Otto-von-Guericke-Universität (OvGU) erst Maschinenbau, wechselt bald darauf in die Informatik, lehrt und forscht und schreibt seine Doktorarbeit. Im Jahr 2008 gründet er mit der Magdeburger Wirtschaftsinformatik (MDWi) AG als Spin-Off der OvGU das nach seinen Angaben erste private und staatlich anerkannte Studienkolleg in Sachsen-Anhalt.

Im Fokus hat er seinerzeit die Behebung eines Mangels: wenig internationale Studentinnen und Studenten an der hiesigen Uni. „Noch während meiner Dissertation war ich dazu mit dem damaligen Rektor Klaus Erich Pollmann im Austausch. Wenn es Bewerber aus dem Ausland gab, mussten wir sie nach Köthen oder Halle schicken. Viel zu oft kamen sie nicht wieder, sondern blieben dort.“ Inzwischen bereiten Jubran Rajub und sein Team erfolgreich ausländische Studienbewerber ein Jahr lang auf das Land, die Stadt und … den Erfolg vor.

Seitdem reist er als eine Art Botschafter für Magdeburg und die Universität durch die Welt, um junge Menschen zum Herkommen und Hierbleiben zu bewegen. „Wir ebnen ihnen den Weg, schaffen Anschlüsse und sind der Türöffnen in die Gesellschaft.“ Magdeburg punkte mit vielen Dingen, sagt der Familienvater, dessen Kinder hier geboren sind. „Magdeburg ist nicht Berlin, München oder Hamburg. Da wollen viele hin, mit denen ich spreche, doch Magdeburg hat bezahlbare Mieten, bietet viele Rückzugsräume und hat eine schöne, kompakte Struktur. Von Norden nach Süden bist du mit der Straßenbahn in einer halben Stunde durch.“ Er selbst sagt, er habe mit seinem Werdegang in Magdeburg „unheimliches Glück“ gehabt. Sein Studium in der Landeshauptstadt finanziert er damals selbst. „Es gab kaum eine Baustelle, auf der ich als Student nicht gearbeitet habe.“ „Die Stadt hat mir so viel angeboten. Ich habe immer nur Positives erfahren.“

Seiner Auffassung nach, hat sich seine Heimatstadt in den vergangenen Jahren geöffnet. „Wir sind auf dem Weg, könnten aber noch viel weltoffener sein. Ich möchte jedem sagen, dass Integration nicht von außen kommt. Jeder muss sich öffnen. Jeder. Die Menschen, die hier sind, und auch die, die kommen.“ Einzelne Vertreter bestimmter Ideologien treffe man schließlich überall – auch in Berlin, Hamburg oder München. Die Ansiedlungspläne von Intel haben nach Überzeugung des Wirtschaftsinformatikers eine Bewegung hervorgebracht. „Es hat sich gezeigt, dass Magdeburg viel Potential hat. Und dass wir hier eine internationale Stadt aufgebaut haben. Darauf bin ich stolz.“