„Ich kenne die Herausforderungen“

„Ich kenne die Herausforderungen“

Aleksandrina Dmitrieva, Koordinatorin Internationales, Studentenwerk Magdeburg

 

Bis zu minus 40 Grad Celsius im Winter und plus 35 Grad im Sommer – und immer Sonne satt. So beschreibt Aleksandrina Dmitrieva das Wetter in ihrer sibirischen Heimatstadt Irkutsk, die am Abfluss des Baikalsees liegt und mit Universitäten und einigen Kulturstätten aufwarten kann. Mit fast 590.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zählt sie mehr als doppelt so viele wie Magdeburg, wo Aleksandrina Dmitrieva seit 2022 weitaus mildere Winter genießt. „Ich habe in meiner russischen Heimat studiert und dort mehr als zehn Jahre als Journalistin und Pressesprecherin gearbeitet“, berichtet sie über ihren Werdegang. „Aber dann wurde es immer schwieriger. Es galt eine Art Zensur und ich konnte meine Meinung nicht mehr äußern. Das war für mich nicht akzeptabel.“ Das Auswandern, sagt Aleksandrina Dmitrieva, sei ein Muss gewesen. „Es war in Russland einfach zu gefährlich geworden.“ Im Februar 2022 kündigt sie ihren Job und kommt in die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, um sich hier erneut den Herausforderungen eines Studiums zu stellen und eine neue Heimat zu finden.

„Ich habe noch im selben Jahr an der Otto-von-Guericke-Universität angefangen, Friedens- und Konfliktforschung zu studieren“, sagt Aleksandrina Dmitrieva, die auch fließend englisch spricht. „Drei Jahre später war ich fertig.“ Innerhalb ihrer Studienzeit lernt sie selbstständig die deutsche Sprache, die sie inzwischen sehr gut spricht. Ihr besonderes, auf Weltoffenheit ausgerichtetes Studium, absolviert sie mit Kommilitonen aus aller Herren Länder, etwa dem Jemen, Syrien und Myanmar. Im Vergleich zu Russland sei das Studium in Deutschland viel mehr von Selbstständigkeit geprägt. „Das ist gut für die Motivation und den Eigenantrieb. Und die Perspektiven sind einfach größer.“

Seit Oktober 2025 ist Aleksandrina Dmitrieva im Studentenwerk Magdeburg die Koordinatorin Internationales und kümmert sich um Studierende aus dem Ausland. „Es gibt die interkulturelle Studenteninitiative IKUS in Zusammenarbeit mit der Uni“, erklärt sie. Und sie sieht sich zu Recht an der richtigen Stelle. „Ich kenne und verstehe aus eigener Erfahrung die Herausforderungen, denen sich international Studierende stellen müssen.“ Es gehe nicht nur um die Sprache, sondern auch um die Lebensart, die Kultur und den Austausch. „Unsere Teams geben Orientierung und sind so etwas wie eine emotionale Stütze. Und wir kümmern uns beispielsweise auch um Wohnheimplätze und Wohnungen für die Studierenden.“ Veranstaltungen wie Ausflüge und Spieleabende fördern das Ankommen und die Integration, deren Wichtigkeit Aleksandrina Dmitrieva aus der angesprochenen Erfahrung heraus sehr hoch einschätzt. Wenn sie beispielsweise von dem Sprachcafé berichtet, merkt man sofort ihre Liebe zu ihrem Job und dem Sinn dahinter. „Hier engagieren sich auch deutsche Senioren der Senioreninitiative „Dialog der Generationen“. Das ist klasse. Wir wollen das Angebot des Sprachcafés ausweiten, weil es so viel mehr als eine Anlaufstelle für ausländische Studierende geworden ist.“ Zugewanderte, betont die gebürtige Russin, sollten auf keinen Fall „in ihrer Blase“ verweilen.

In Deutschland ist sie zuvor schon als Touristin gewesen – auch in Magdeburg und im Harz, wo sie heute sehr gern wandern geht. Sie habe sich sofort „gut zurechtgefunden“, auch, weil Magdeburg ein bisschen wie Irkutsk sei. „Nicht zu groß, aber trotzdem viel los.“ An der Elbe hat sie ihren Lebenspartner kennengelernt, mit dem sie mittlerweile auch eine Wohnung teilt. Ja, sie habe auch Sehnsucht nach Irkutsk – vor allem nach der einzigartigen Natur am Rande des Baikalsees. Dass sie einmal nach Sibirien zurückkehrt, schließt Aleksandrina Dmitrieva aktuell nicht hundertprozentig aus, doch in den nächsten Jahren bestehe dazu keine Veranlassung. „Ich bin froh und glücklich, in Magdeburg sein zu können. Hier fühle ich mich zu 90 Prozent zu Hause.“