Luftaufnahmen made in Magdeburg

Luftaufnahmen made in Magdeburg

Aicke Damrau

 

Aicke Damrau ist ein Überflieger. Als der erste Datensatz für Deutschland Google Earth erreicht, heißt der Absender GeoContent GmbH in Magdeburg. Es ist die Firma, in der Aicke Damrau bis 2009 fast sechs Jahre lang als Prokurist arbeitet und aus der sich die international tätige GeoFly GmbH entwickelt, dessen Geschäftsführer er heute ist. „Wir beschäftigen uns unter anderem mit Luftbilddaten, 3D-Vermessung und Energie- und Klimaanalysen“, erklärt der gebürtige Magdeburger. Was der Firmenchef und sein Team jeden Tag tun, ist für Wirtschaft, Wissenschaft und das globale Umwelt-Monitoring unverzichtbar. „Es ist die Vermessung der Welt“, fasst der Diplom-Vermessungsingenieur und Diplominformatiker passend zusammen. Fünf Flugzeuge mit verschiedenen Sensorsystemen hat GeoGly in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt stationiert. „Zu Zeiten GeoContent sind wir nicht selbst geflogen, sondern haben nur Datensätze produziert“, sagt Aicke Damrau. Die Idee, mit einer vielfältig aufgestellten Belegschaft eigenständig Befliegungen durchzuführen und das Portfolio entscheidend zu erweitern, kommt 2007 zum ersten Mal auf den Tisch. Ein Jahr später gründet sich GeoFly, das sich inzwischen schon längst nicht mehr auf Sachsen-Anhalt und Deutschland beschränkt, sondern auch in Brasilien, Grönland, Island, Aserbaidschan, den Philippinen und im Sudan in die Luft geht.

Offenheit im Allgemeinen und Weltoffenheit im Speziellen sind Teil der Unternehmens-DNA von GeoFly. „Wir arbeiten nicht nur auf allen Kontinenten, wir setzen aus Überzeugung auch auf das Know-how von Menschen aus aller Welt“, bekräftigt Aicke Damrau. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen beispielsweise aus dem Iran, Südafrika, Indien oder Russland.“ Moderne Geodatenerfassung als Grundlage für eine vernetzte, zukunftsfähige Welt bedeutet eben auch, Menschen, Wissen und Kulturen miteinander zu verweben und sie als Kern der Organisation zu schützen und zu wahren. „Bei uns wird Deutsch und Englisch gesprochen. Ganz normal.“ GeoFly, so sagt Aicke Damrau, exportiere keine Güter, sondern biete besondere Dienstleistungen an. Sie erfordern es, dass Teile des Teams zeitweise in anderen Ländern leben und arbeiten. „Andersrum ist Magdeburg Arbeits- und Lebensmittelpunkt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland. Ich selbst habe eine Zeit lang in Dresden und Berlin gewohnt und bin wieder nach Magdeburg zurückgekommen. Ich kann auch aus eigener Erfahrung sagen, dass die Stadt einfach total lebenswert ist, schon allein wegen ihrer Größe.“

Magdeburg biete „von einem Rand zum anderen“ ein buntes Spektrum und habe sich von der „grauen Maus“ zu einer modernen City entwickelt. „In den Anfangszeiten von GeoFly kannten nur wenige Menschen Magdeburg“, sagt Aicke Damrau, der auch Mitglied im Außenwirtschaftsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist. „Man hat sich dann immer beholfen und gesagt: Das liegt in der Mitte zwischen Berlin und Hannover.“ Mittlerweile ist diese geografische Einordnung fast nicht mehr nötig, denn Magdeburg hat an Bekanntheit ordentlich zugelegt, was auch am Intel-Hype und den international sportlichen Erfolgen der SCM-Handballer liegt.

Obwohl GeoFly fast ausschließlich überregional und international arbeitet, ist das Unternehmen als Sponsor in der Region sehr aktiv. „Neben dem Sponsoring vom FCM und SCM fördern wir auch kleine Vereine“, berichtet Aicke Damrau aus der Unternehmenskultur. „Und wir loben jedes Jahr 10.000 Euro aus, deren Verteilung wir gemeinsam mit dem Team erarbeiten.“ Sein Blick in die Zukunft ist ein optimistischer, aber es komme auf die politischen Strukturen an. Aicke Damrau ist überzeugt: „Wenn wir uns von Weltoffenheit wegbewegen, wird das auch Konsequenzen für die Wirtschaft haben. Wir alle müssen uns dazu entscheiden, Ding wirklich bewegen zu wollen.“