International studieren mit regionaler Identität
Prof. Dr. Gretchen Lina Schaupp
Wenn Prof. Dr. Gretchen Lina Schaupp über ihre Herkunft spricht, stimmen in Deutschland die meisten sofort ein Lied an: Country Roads. „Alle kennen West Virginia aus dem Song“, sagt sie lachend. Ansonsten ist ihre Heimat in den USA kaum bekannt. Doch genau von dort führte ihr Weg nach Deutschland – und schließlich nach Magdeburg.
Geboren und aufgewachsen in West Virginia, stammt sie aus einer deutsch-amerikanischen Familie. Ihr Vater war deutscher Hochschulprofessor, die Verbindung zu Deutschland immer präsent – auch wenn zu Hause kaum Deutsch gesprochen wurde. „Ich hatte trotzdem immer den Wunsch, Deutsch zu lernen“, erzählt sie. Dieser Wunsch wurde zum Ausgangspunkt einer internationalen akademischen Laufbahn.
Während ihres Studiums in den USA geht sie für ein Auslandsjahr nach Bamberg. Dort beginnt sie nicht nur, die deutsche Sprache wirklich zu sprechen, sondern entdeckt auch eine andere Hochschulkultur. „Die Offenheit, die Möglichkeiten und die internationale Atmosphäre haben mich sehr beeindruckt“, sagt sie rückblickend. Und so hat sie sich von ihren Kommilitonen begeistern und mitziehen lassen – und bleibt. Es folgen das Masterstudium, MBA, später eine Karriere bei Volkswagen, Promotion und Lehrtätigkeiten an verschiedenen Hochschulen.
Seit September 2024 lehrt sie an der Hochschule Magdeburg-Stendal und fühlt sich angekommen. „Ich finde die Stadt sehr schön“, sagt sie. Besonders schätzt sie die Atmosphäre einer Hochschul- und Universitätsstadt. „Man merkt sofort diese Internationalität. Die Kultur- und Freizeitangebote – vieles ist geprägt durch die Studierenden und die Offenheit der Stadt.“
An der Hochschule arbeitet sie in einem internationalen Umfeld. Kurz nach ihrem Start übernimmt sie bereits die Leitung eines englischsprachigen Studiengangs im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen, Sustainable Resources, Engineering and Management, oder "StREaM". Dadurch arbeitet sie fachbereichsübergreifend, unterrichtet auf Englisch und Deutsch und begleitet viele internationale Studierende beim Ankommen in Deutschland. „Diese Möglichkeiten sind wirklich außergewöhnlich“, freut sie sich.
Die Hochschule Magdeburg-Stendal sieht sie in einer besonderen Position. Internationale Studiengänge, Forschung, Promotionsrecht und enge Kooperationen mit Wissenschaft und Wirtschaft schaffen ein Umfeld, das weit über die Region hinausstrahlt. „Wir haben hier ein ganz besonderes Angebot, das fast einmalig ist in Deutschland“, erzählt sie voller Stolz. „Das ist unser best kept secret.“
Dabei versteht sie die Hochschule nicht nur als Bildungsort, sondern als Brücke zwischen den Kulturen. Wissenschaft, Wirtschaft und internationale Zusammenarbeit sind heute untrennbar miteinander verbunden. „Nichts passiert mehr in einer Blase.“ Gerade deshalb braucht es Menschen, die unterschiedliche Kulturen verstehen, verschiedene Sprachen können und bereit sind, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. „Nur wenn wir uns öffnen und unsere jeweiligen Kompetenzen als Stärken verstehen, können wir gemeinsam erfolgreich sein“, ist sie überzeugt.
Magdeburg selbst beschreibt Prof. Dr. Schaupp als weltoffene Stadt mit Bodenhaftung. International genug, damit Menschen aus aller Welt sich willkommen fühlen – und gleichzeitig nahbar genug, um echte Begegnungen zu ermöglichen. Genau dieser „Spagat“, wie sie es nennt, macht Magdeburg so erfolgreich: „Die Verbindung aus Weltoffenheit und regionaler Identität ist hier einfach besonders und eine der Stärken der Stadt.“ Anders als in Metropolen wie Berlin, wo internationale Studierende oft problemlos nur mit Englisch und in ihrer eigenen Community zurechtkommen, spürt man in Magdeburg, dass es sich lohnt, „Deutsch zu lernen und sich zu öffnen, wenn man wirklich ankommen und Fuß fassen möchte.“ Gerade darin sieht sie einen großen Vorteil und viel Potential für Integration und gesellschaftliches Zusammenleben in der Stadt.