Ihre Leidenschaft gilt dem Tanz – und das Leben ist ihre Bühne. Olga Ilieva wird in Sofia geboren. Schon früh spürt sie, wohin ihr Weg führen soll: ins Ballett. Mit zehn Jahren besteht sie die Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Ballettschule in Bulgarien, wo ihr Talent schnell erkannt wird. Bereits ein Jahr später erhält sie ein Stipendium für eine der renommiertesten Ausbildungsstätten weltweit: die Waganowa-Ballettakademie in Sankt Petersburg. „Ich war erst elf. Es war sehr schwer für mich, von zu Hause wegzugehen. Aber es war auch eine große Chance“, erinnert sich Olga Ilieva.
Heute ist sie Ballettmeisterin und Trainingsleiterin am Theater Magdeburg. Dass ihr Weg sie einmal hierherführen würde, hätte sie sich als junges Mädchen nicht vorstellen können. Damals war ihr Traum klar: tanzen, auf der Bühne stehen, sich ausdrücken. Sieben Jahre lang arbeitet sie intensiv an ihrer Ausbildung, formt ihr klassisches Profil, trainiert mit Disziplin und Hingabe.
Nach ihrer Rückkehr nach Sofia wird sie Ballerina am Nationaltheater für Oper und Ballett. Zunächst scheint ihr Weg vorgezeichnet. Sie kann sich kaum vorstellen, ihre Heimat noch einmal zu verlassen. Doch manchmal entscheidet das Leben anders: Bei einem Gastspiel in Dessau-Roßlau fällt sie dem damaligen Intendanten Johannes Felsenstein ins Auge. Er baut eine Tanztheater-Company auf – und Olga Ilieva passt perfekt in dieses Ensemble. „Das war eine sehr gute Zeit für das Theater“, sagt sie rückblickend. „Wir haben viele neue Ideen umgesetzt.“ Die Jahre in Dessau sind geprägt von intensiven Bühnenerlebnissen und künstlerischem Wachstum. Später eröffnet sich ihr durch eine stärkere moderne Ausrichtung eine neue Perspektive auf den Tanz. Schließlich ist es der international tätige Choreograf und Ballettdirektor Gonzalo Galguera, der sie nach Magdeburg holt. Olga Ilieva tanzt außergewöhnlich lange – bis zu ihrem 42. Lebensjahr. Als Galguera nach Magdeburg wechselt, bietet er ihr an, als Ballettmeisterin zu arbeiten. „Das war immer mein Traum und heute arbeite ich sehr gern mit dem Ballettdirektor Jörg Mannes zusammen“, sagt sie. Neben ihrer praktischen Erfahrung bringt sie auch fundiertes theoretisches Wissen mit: Diplome in Choreografie und Pädagogik, die sie im Fernstudium in Bulgarien erworben hat.
Und Magdeburg wird für sie zum Glücksfall. „Die Stadt ist mein Zuhause geworden“, sagt Olga Ilieva. Seit über 20 Jahren lebt und arbeitet sie an der Elbe. Obwohl sie viel reist und auch international als Gast-Ballettmeisterin gefragt ist, bleibt ihre innere Orientierung klar: „Wenn ich sage, wir fahren nach Hause, dann meine ich Magdeburg.“ Besonders liebt sie ihr Viertel in der Alten Neustadt, nur wenige Minuten vom Theater entfernt. Spaziergänge entlang der Elbe bis zum Mückenwirt, geben ihr Ruhe und Inspiration: „Ich lasse mich gern treiben und entdecke immer wieder Neues.“
Mit dem Blick derjenigen, die geblieben ist, erkennt sie auch die Entwicklung der Stadt: „Magdeburg ist viel schöner geworden, hat sich entwickelt, genauso wie mein Leben hier.“ Ihre Wurzeln sind inzwischen fest verankert durch Familie, Freundschaften, ihre Arbeit. Trotzdem bleibt ihr Blick offen für die Welt um sie herum. Sie schätzt das Magdeburger Publikum, das „so aufmerksam ist“. Sie mag, dass „das Spektrum größer geworden ist und nun auch jüngere Menschen angesprochen werden. Die Ballettmeisterin ist überzeugt: „Man muss vielfältig bleiben.“ Das Theater ist international geprägt, Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichsten Ländern arbeiten hier zusammen. Im Ballettsaal wird Englisch gesprochen, und Olga Ilieva nutzt die Gelegenheit, in einer Schule ihre Sprachkenntnisse weiter zu vertiefen. „Es macht mir Freude, Neues zu lernen. Damit sollte man nie aufhören“, resümiert sie. Diese Haltung prägt auch ihren Blick auf die Stadt: Magdeburg sei für sie schon immer ein offener Ort gewesen – und werde es zunehmend mehr. Eine Stadt, die sich bewegt, verändert und weiterentwickelt wie eine Tänzerin.