Begegnung ist der Schlüssel

Krzysztof Blau

 

Krzysztof Blau weiß, wie es sich anfühlt, fremd zu sein. Als er 1981 mit seiner Mutter aus Polen in die Ottostadt kommt, ist er noch nicht volljährig. Er besucht die 8. Klasse, findet schnell Anschluss. Nie hat er das Gefühl, dass man ihn hier nicht haben möchte. „Ganz im Gegenteil“, erinnert er sich, „heute würde man sagen: Das war Willkommenskultur“.

Diese Haltung zu stärken, ist bis heute das zentrale Anliegen der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt (AGSA). Ihr Geschäftsführer, Krzysztof Blau, formuliert es so: „Wir setzen uns für ein demokratisches Miteinander und gleichberechtigte Teilhabe ein – unabhängig von Herkunft, Religion oder Sprache.“

Gegründet wurde die AGSA 1995 im Auftrag des Landes Sachsen-Anhalt und vereint heute über 50 Mitgliedsorganisationen – von bilateralen Gesellschaften bis zu Migrantenvereinen. Sie berät, vernetzt oder begleitet Projekte. Gemeinsam werden Veranstaltungen organisiert, etwa die Interkulturelle Woche, die seit über 20 Jahren von mehreren Partnern in Magdeburg gestaltet wird. Als Dachverband vertritt die AGSA die Interessen ihrer Mitglieder in politischen und gesellschaftlichen Gremien, insbesondere in integrationsrelevanten Fragen – und begleitet die dafür notwendigen Prozesse. Krzysztof Blau weiß, dass man dafür einen langen Atem braucht. Er sagt: „Integration ist kein Spurt. Sie ist ein Marathon.“ Es geht um die nachhaltige Wirkung, um strukturelle Veränderungen in Verwaltungen, um interkulturelle Öffnung und um viele kleine Schritte. „Wir haben bereits sehr gute Arbeit geleistet“, sagt er, „jedoch müssen wir diesen Weg auch konsequent weitergehen.“

Eine zentrale Rolle spielt dabei das einewelthaus, dessen Trägerin die AGSA ist. Das Haus in der Schellingstraße ist in 30 Jahren ein Ort des interkulturellen Begegnens, Arbeitens und Netzwerkens mit landesweiter Ausstrahlung geworden. Hier trifft man Menschen aus der ganzen Welt. Viele kommen, weil sie immer jemanden zum Reden finden – in ihrer Sprache, im Verständnis zu ihrer Kultur. Es werden Beratungen und Sprachkurse angeboten. Zugleich spiegelt sich hier die Zuwanderungsgeschichte seit der Wende: von den 1990er Jahren über die Fluchtbewegungen 2015 bis hin zu den Menschen, die seit 2022 aus der Ukraine gekommen sind. „Das hat Magdeburg verändert“, sagt der AGSA-Geschäftsführer. Lag der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund vor 15 Jahren bei etwa zwei Prozent, sind es heute knapp 20. „Das muss eine Stadt erst einmal verarbeiten“, sagt Blau. „Wir haben Wege für ein gutes Miteinander gefunden.“ Ein Schlüssel dafür sei gewesen, Begegnungen zu schaffen: „Sie schaffen Verständnis und verbinden unterschiedliche Lebensrealitäten.“ Unterstützt wird dieser Weg auch von der Stadt, etwa durch Fördermittel und Gremien wie den Integrationsbeirat. Vieles funktioniere bereits besser, als oft wahrgenommen werde. „Wir sind weiter, als wir manchmal denken“, so Krzysztof Blau.

Gleichzeitig bleibe die Aufgabe komplex: „Menschen mit Migrationsgeschichte sind keine homogene Gruppe. Umso wichtiger ist es, faire Bedingungen zu schaffen und das Gefühl der Zugehörigkeit zu vermitteln“, so Krzysztof Blau. Auch die AGSA werde sich in diesem Sinne weiter entwickeln. Neue Mitglieder sollen dazu kommen und internationale Kooperationen wie etwa Städtepartnerschaften weiter gefestigt werden. „Letztlich ist unsere gelebte Internationalität auch für den Wirtschaftsstandort entscheidend“, sagt Blau.

Für ihn ist aus der persönlichen Erfahrung des Ankommens eine Aufgabe geworden. Er ist sich sicher: „Magdeburg ist vielfältiger und internationaler geworden. Zu unseren Stärken gehört, dass Menschen hier Raum finden, um anzukommen und mitzuwirken.“