Die Brückenbauerin

Ketevan Asatiani-Hermann

 

Dass Magdeburg einmal zu ihrer Heimat werden würde, ahnte Ketevan Asatiani-Hermann zunächst nicht. Die Sozial- und Politikwissenschaftlerin spezialisiert sich im Studium auf Journalistik und vertieft parallel ihre bereits in der Schule erworbenen Deutschkenntnisse im Nebenfach Germanistik. Die Sprache liegt ihr. Zwei Stipendien in Augsburg und Eichstätt bestärken sie, ihren Master in Deutschland zu absolvieren. Sie bewirbt sich in Augsburg und Magdeburg – und erhält von beiden Universitäten eine Zusage. Ausschlaggebend sind schließlich die vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten sowie die Nähe zu Berlin, Leipzig und Hannover. „Dass Magdeburg so schön grün ist und so viel zu bieten hat, habe ich erst später bemerkt“, erinnert sie sich.

Heute ist die Ottostadt für die gebürtige Georgierin zur Heimat geworden. Zu einer von zwei. Ein Ort, der für sie nicht nur Lebensmittelpunkt ist, sondern auch Raum für Entwicklung, Engagement und persönliche Verwurzelung bietet. Die andere ist Tiflis. An der Elbe lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern und engagiert sich intensiv im gesellschaftlichen Leben. Seit vielen Jahren setzt sich die Sozialwissenschaftlerin für Teilhabe und Chancengleichheit von Migrantinnen und Migranten ein. Im Januar 2025 wurde sie ehrenamtlich zur Vorsitzende des Beirats für Integration und Migration der Landeshauptstadt gewählt. Das Gremium vereint 20 Mitglieder: 13 Einwohnerinnen und Einwohner mit internationalen Wurzeln sowie sieben Vertreterinnen und Vertreter der Stadtratsfraktionen. Das Gremium verfasst Stellungnahmen, berät Stadtrat und Verwaltung in integrationspolitischen Fragen, bringt Perspektiven der migrantischen Bevölkerung ein, verbessert die Kommunikation zwischen den Akteurinnen und Akteuren und fungiert als Anlaufstelle. „Wir schlagen Brücken zwischen Stadtverwaltung, Stadtrat und migrantischer Bevölkerung“, sagt Ketevan Asatiani-Hermann.

Dieses Brückenbauen zieht sich wie ein roter Faden durch ihren Lebensweg. „Ich habe mein Thema hier gefunden“, beschreibt sie ihre Motivation. Seit sieben Jahren arbeitet sie als Beraterin und Case Managerin im Jugendmigrationsdienst des Internationalen Bundes. Darüber hinaus engagiert sie sich auf kommunaler und bundespolitischer Ebene, unter anderem als Jurymitglied in einem Projekt des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, als Mitglied im Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat sowie im Bündnis der Partnerschaft für Demokratie Magdeburg. Für ihr Engagement wird sie vor einem Jahr mit dem Integrationspreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet.

Auch als Botschafterin und Mentorin der Otto-von-Guericke-Universität begleitet sie junge Menschen auf ihrem Weg in den Beruf. „Es ist mir ein großes Anliegen, dass hochqualifizierte Absolventinnen und Absolventen in Magdeburg ihre berufliche Zukunft aufbauen“, sagt sie. Dabei greift sie auch auf eigene Erfahrungen zurück. 2011 ist sie nach eigener Erinnerung in ihrem Studiengang die einzige Studentin mit Migrationshintergrund und zugleich die junge Mutter, die ihr Baby mit in die Vorlesung bringt. Eine Zeit, in der sich „viel verknotet“, wie sie rückblickend sagt. Heute erlebt sie die Stadt anders: „Hier ist vieles sehr unkompliziert, vor allem für junge Familien.“ Dieses Gefühl von Zugehörigkeit möchte sie weitergeben. Für sie steht fest, „dass Integration immer von beiden Seiten stattfindet“.

Gleichzeitig sieht sie die Herausforderungen: Die Zahl der Migrantinnen und Migranten in Magdeburg hat sich innerhalb weniger Jahre vervierfacht. Auch das Attentat auf den Weihnachtsmarkt wirkt nach. Die gesellschaftliche Toleranz habe abgenommen, sagt sie. Trotzdem überwiegt ihre Zuversicht. Sie speist sich aus den vielen positiven Beispielen gelebter Integration und einer wachsenden Willkommenskultur. „Es wurde schon viel erreicht, wir sind auf einem sehr guten Weg. Lasst uns weiter Brücken bauen!“