Im Mittelpunkt steht immer der Mensch

Heba Fallaha und Guido Nienhaus

 

Mit 15 Jahren verlässt Heba Fallaha ihre Heimat – mit einem Rucksack, der ein ganzes Leben tragen muss. Vor elf Jahren entscheidet sich ihre Familie, Aleppo zu verlassen. Da wütet der Bürgerkrieg bereits seit Jahren in Syrien. Die Kindheit von Heba und ihrer Schwester ist geprägt von Zerstörung, Angst und Verlust. Das Leben, das sie bis dahin kannten, gibt es nicht mehr. Die Stadt, in der sie aufgewachsen sind, ist zerstört. „Wir wollten die Chance auf eine Zukunft“, sagt sie. Also brechen sie auf – ins Ungewisse, über das Meer.

Die Flucht führt über den Libanon, die Türkei und Griechenland nach München, weiter nach Halberstadt und schließlich nach Colbitz. In dem kleinen Ort in der Börde begegnet die Familie Menschen, die helfen, ankommen lassen, Türen öffnen. Eine Begegnung wird entscheidend: Heba lernt den Direktor des Ecole-Gymnasiums in Barleben kennen. Denn Heba hat ihren Traum mitgebracht: Sie möchte ihr Abitur machen und Architektur studieren. Doch dafür muss sie zunächst die deutsche Sprache beherrschen. Das Problem: Gesetzliche Vorgaben sehen für Minderjährige keinen Integrationskurs vor. Sie sollen die Kenntnisse in einer Schule erwerben. Heba soll eine Berufsschule besuchen. Für Heba ist das keine Option. Sie lernt in nur drei Monaten Deutsch. Mit Unterstützung, aber vor allem mit Entschlossenheit. Sie schafft den Sprung aufs Gymnasium, absolviert die zehnte Klasse und erwirbt damit den erweiterten Realschulabschluss. Ihr Weg führt sie weiter: zum Studium des Grafikdesigns an der University of West London, mit Stationen in München, Berlin, Köln und Amsterdam. Doch ihr Lebensmittelpunkt ist längst Magdeburg geworden. „Ich liebe diese Stadt. Die Menschen sind offen und freundlich“, sagt sie.

Parallel sammelt sie erste Berufserfahrungen bei der Magdeburger Wirtschaftsinformatik AG, zunächst im Sekretariat, später in der Beratung internationaler Studierender und im Marketing. Nach dem Bachelor folgt der nächste Schritt: eine Position bei der aktiVaria GmbH. Dort arbeitet sie an Projekten für Kinder und Jugendliche und kommt über Kooperationen auch zur MDCC Magdeburg-City-Com GmbH, wo sie ein Marketingpraktikum absolviert.

Stillstand ist für sie keine Option. Nebenbei studiert Heba Fallaha Transformation Design an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Es ist dieser Drang nach Entwicklung, der auch andere beeindruckt. MDCC-Geschäftsführer Guido Nienhaus beschreibt sie als hochqualifiziert und zugewandt – als jemanden, der zeigt, worauf es wirklich ankommt: Leistung, Haltung, Miteinander. „Jeder, der Heba kennenlernt, merkt schnell, dass sie nicht nur hochqualifiziert, sondern auch eine aufgeschlossene, nette, höfliche Frau ist“, sagt er. Dass sie zur großen MDCC-Familie gehört, ist für ihn Teil der Unternehmensphilosophie: „Bei uns geht es ausschließlich um den Menschen. Alles andere spielt keine Rolle.“ Diese Offenheit erlebt Heba auch selbst. „Alle waren von Anfang an neugierig und herzlich“, sagt sie. Ein Satz, der sich nicht nur auf ihr Arbeitsumfeld bezieht, sondern auf die Stadt insgesamt. Magdeburg ist für sie ein Ort geworden, an dem Vielfalt sichtbar und selbstverständlich ist. „Ich habe hier nur positive Erfahrungen gemacht.“

In den vergangenen zehn Jahren ist aus einem Zufluchtsort ein Zuhause geworden. Heba beobachtet, wie sich die Stadt verändert – internationaler, vielfältiger, offener wird. Die Innenstadt wandelt sich, Begegnungen werden selbstverständlicher. „Es ist heute normaler geworden, Frauen mit Kopftuch zu sehen“, sagt sie. Für sie ein Zeichen gelebter Weltoffenheit. Wenn man Heba fragt, wo sie zu Hause ist, antwortet sie: „Man sucht sich eine Stadt nicht aus – die Stadt sucht sich den Menschen aus.“ Sie war an vielen Orten. Bleiben möchte sie in Magdeburg.