Vom Neuanfang zur Zukunft

Dmytro Myloserdov und Ulrich Schmidt

 

Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. Mit dem Kriegsbeginn in der Ukraine wird das Leben der Familie Myloserdov komplett auf den Kopf gestellt. Die Eltern fliehen mit ihren drei Söhnen ins Ungewisse – am Ende führt ihr Weg über Umwege nach Magdeburg. Dmytro ist der Älteste. Und er ist jemand, der anpackt. Kaum in der Ottostadt angekommen, geht er zur Schule und setzt sich gleichzeitig in einen Deutschkurs, der dort angeboten wird. Er lernt eine Sprache, die ihm zu diesem Zeitpunkt völlig fremd ist. Am Editha-Gymnasium absolviert er die 9. und 10. Klasse und möchte anschließend eine Ausbildung machen. Am liebsten bei einer Bank.

Besonders interessiert ihn die Volksbank Magdeburg eG, vor allem wegen ihres genossenschaftlichen Gedankens. „Mir gefällt die Idee, die dahintersteckt“, sagt Dmytro Myloserdov. Selbsthilfe, Selbstverantwortung, gemeinsames Handeln: Hier sind Kundinnen und Kunden gleichzeitig auch Mitglieder und Miteigentümer. Es geht nicht nur um Gewinn, sondern vor allem um Förderung und Zusammenhalt. Werte wie Partnerschaft, Transparenz und Solidarität stehen im Mittelpunkt.

Auch bei der Volksbank Magdeburg eG wird man schnell auf den jungen zielstrebigen Mann aufmerksam. „Dmytro ist uns im Auswahlprozess direkt aufgefallen“, erinnert sich Ulrich Schmidt, Vorstand der Volksbank Magdeburg eG. „Er kommt aus einer anderen Kultur, hat eine andere Muttersprache, und zeigt, wie schnell und engagiert er lernen kann.“ Entscheidend ist damals noch etwas anderes: „Wir achten auch sehr darauf, wer zu uns und unseren Werten passt.“

Vielfalt ist für die Bank kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag. Mitarbeitende mit unterschiedlichen Hintergründen gehören längst dazu. „Uns ist diese Verschiedenheit wichtig“, sagt Schmidt. „Nur so können wir offen auf unsere Kundschaft zugehen.“ Dazu passt auch, dass die Bank eigene Angebote wie freiwillige Englischkurse organisiert. „Magdeburg wird internationaler, und das merkt man auch in unserer täglichen Arbeit.“

Dmytro ist inzwischen im zweiten Ausbildungsjahr angekommen und hat bereits erste Kundentermine eigenständig gemeistert. „Alle waren zufrieden“, sagt er. Es hört sich stolz an. Nach vier Jahren fühlt er, dass er längst angekommen ist: „Am Anfang war es nicht leicht, vor allem wegen der Sprache. Doch ich habe schnell Anschluss gefunden – in der Schule, in der Berufsschule und beim Sport.“ In seiner Freizeit geht er ins Fitnessstudio, trainiert Kampfsport und reist gern. Und wenn er zurückkommt, spürt Dmytro etwas, das ihn selbst überrascht hat: „Es fühlt sich einfach gut an, wieder hier zu sein.“

Als Azubi freut er sich darüber, dass er von Anfang an gut aufgenommen wurde: „Alle sind sehr hilfsbereit.“ Auch Ulrich Schmidt sieht diese Entwicklung positiv. „Sein respektvoller Umgang mit Menschen ist uns sofort aufgefallen. Das hat von Anfang an gepasst.“ Gleichzeitig beobachtet er, wie sich die Stadt verändert: „Magdeburg ist mitten im Wandel. Die Stadt ist im besten Sinne bunter geworden. Es entsteht ein neues Miteinander.“

Und mittendrin ist Dmytro. Jemand, der seinen Weg gefunden hat und zeigt, wie viel möglich ist, wenn man Chancen nutzt. Für ihn ist Magdeburg längst mehr als ein Zufluchtsort. Für ihn ist die Ottostadt zu einem Ort geworden, an dem Zukunft wächst.