Musik kennt keine Grenzen

Clément Michelot und Martin Richter

 

Die Liebe zur Musik ist Clément Michelot nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden – und doch hat sie ihn früh gepackt. In seiner Familie spielt niemand professionell ein Instrument, doch bei den Großeltern steht ein Klavier. Darauf spielt der Junge von einst – und betritt die Welt, die ihm eine klangvolle Zukunft öffnet. Beim Tag der offenen Tür in der Musikschule entscheidet er sich zunächst für das Saxofon, wechselt nach zwei Jahren zur Querflöte – und findet darin seine musikalische Bestimmung. Seine Lehrer erkennen schnell sein Talent und raten ihm, den Weg in die Musik beruflich zu verfolgen. Ein Rat, der sich als goldrichtig erweist.

Nach dem Abitur richtet er den Blick nach Deutschland, lernt die Sprache und beginnt in Dresden ein Studium der Querflöte, später auch im Chordirigieren. Clément Michelot probiert sich aus, sammelt internationale Erfahrungen in Finnland während eines Erasmusjahres, absolviert seinen Master in Weimar und verbringt eine Zeit in Duisburg. Eine prägende Erfahrung macht er in einer Masterclass in Den Haag, die seine Sicht auf Kinderchöre verändert: „Ich merkte, dass man mit Kindern sehr wohl künstlerisch arbeiten kann“, erinnert er sich. Schließlich führt ihn eine Ausschreibung des Konservatoriums Georg Philipp Telemann nach Magdeburg. Ohne feste Erwartungen lässt sich der heute 29-Jährige auf dieses „Abenteuer“ ein – und wird schnell überzeugt: von der Offenheit im Konservatorium, seinem vielfältigen Arbeitsbereich und der Stadt mit ihrer überschaubaren Größe und der Elbe. Heute dirigiert er mehrere Ensembles – von den Chorwürmchen über den Knabenchor, den Mädchen- sowie den Männerchor bis zum Opernkinderchor –, gibt Stimmbildung und leitet den Vokalkreis. „Ich fühle mich rundum wohl“, sagt er.

Für Martin Richter, seit zwei Jahren Leiter des Magdeburger Konservatoriums, ist Clément Michelot nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich eine große Bereicherung. Der Dirigent und Flötist, der zudem Klavier spielt und singt, bringt neue Perspektiven ein, sagt er. Offenheit und Begegnung auf Augenhöhe sind für den Eigenbetriebsleiter zentrale Werte: „Das wird oft erwidert und öffnet Türen – nicht nur im Konservatorium.“ Besonders prägend ist dabei die kulturelle Vielfalt: Rund 40 Prozent der Lehrenden haben einen internationalen Hintergrund, auch die Schülerschaft ist bunt gemischt. Für Richter ist das selbstverständlich: „Musik ist per se international. Sie kennt keine Grenzen.“ Zwar liegt der Schwerpunkt auf der mitteleuropäischen Musiktradition, doch das Haus ist offen für unterschiedlichste Einflüsse. „Wir lernen Lieder, Traditionen und Melodien aus vielen Kulturen kennen und vermitteln gleichzeitig unsere Traditionen – das ist ein wunderbarer Austausch“, sagt Martin Richter. Gleichzeitig vertreten die Schülerinnen und Schüler das Konservatorium und damit auch Magdeburg bei Wettbewerben wie „Jugend musiziert“. Sie sind Botschafterinnen und Botschafter einer Stadt, die sich kulturell vielfältig zeigt. Mit Blick auf den demografischen Wandel wird diese Offenheit noch wichtiger, meint Martin Richter: „In den kommenden Jahren gehen viele Lehrkräfte in den Ruhestand. Wir sind auf qualifizierten Zuzug angewiesen, zumal man in Sachsen-Anhalt den Beruf der Musikschullehrkraft nicht lernen kann. Wir haben keine Musikhochschule.“ Umso mehr freut es ihn, dass Clément Michelot langfristig bleiben möchte. „Ich will hier noch viel aufbauen und erleben“, sagt der Franzose. Dazu gehören Projekte, die Chöre und Orchester zusammenbringen, Besuche in Partnerstädten, das Singen in vielen Sprachen – und nicht zuletzt Spaziergänge an der Elbe. Gerade diese Mischung aus künstlerischer Arbeit und Lebensqualität macht für ihn den Reiz seines neuen Lebensmittelpunkts aus. Seine Wahlheimat hat Clément Michelot längst ins Herz geschlossen: „Magdeburger brauchen vielleicht etwas Zeit, um sich richtig zu öffnen, aber dann sind sie umso herzlicher.“ Sein Fazit ist klar: „Ich blicke optimistisch in die Zukunft – in einem weltoffenen Magdeburg.“