Wir müssen die Geschichte erfolgreich weiter schreiben
André Rummel
Im Sommer 1989, gut drei Monate vor dem Fall der Berliner Mauer, beginnt André Rummel ein Studium der Geographie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dank seiner Interessen an für Stadt-, Landes- und Regionalplanung sowie Baurecht ist dieser Studiengang die richtige Wahl. Dafür verlässt er seine sächsische Heimat im Vogtland, wo er in Rodewisch auf die Welt gekommen ist.
Als sei es gestern gewesen, hat er den Beginn seiner Studienzeit noch genau vor Augen. „Im August 1989 waren wir 20 Studierende, im Januar 1990 weniger als 10“, erzählt der heutige Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. „Ein Teil der Kommilitonen hatte sich entschieden, in der Wendezeit andere Wege zu gehen. Daran kann man gut sehen, wie groß damals auch die beruflichen Umbrüche waren. Es war nichts mehr, wie es war. Von heute auf morgen gab es eine neue Studienordnung und damit veränderte Rahmenbedingungen. Allerdings, und das war die positive Seite der Medaille, durften wir mit einer kleinen Studiengruppe fast eine Einzelbetreuung genießen.“
1994 schließt André Rummel sein Studium in der Stadt ab, in der er auch seine Frau kennenlernt. „Sie ist aus Gardelegen. Durch sie bin ich vom Vogtländer zum Altmärker geworden“, blickt er zurück. Doch es gab auch eine Verbindung in das Vorwende-Magdeburg. „Meine Familie väterlicherseits stammt aus dem Stadtteil Sudenburg. Dort war ich so oft es ging zu Besuch.“
Wo er genau am 3. Oktober 1990 war und was er an diesem geschichtsträchtigen Tag gemacht hat, daran kann er sich angesichts der unendlich vielen Eindrücke, die damals nicht nur auf ihn einstürzten, nicht mehr genau erinnern. Doch eines blieb haften. „Nach 40 Jahren waren wir plötzlich frei und konnten uns entfalten. Das war schon überwältigend. Aber“, gibt er zu bedenken, „es gab auch viele Schicksale und Brüche in den Lebensläufen, die bis heute nachwirken und aufgearbeitet werden müssen.“
Am 1. Juli 1995, vor genau 30 Jahren, unterschrieb André Rummel seinen Arbeitsvertrag in der Industrie- und Handelskammer Magdeburg.
Wenn er heute über die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten spricht, benutzt er oft das Wort „Transformation“. Dieses Wort trifft die Veränderungen auf gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Ebene inhaltlich am besten, findet André Rummel. Die wirtschaftliche Entwicklung in Magdeburg nimmt er ab Mitte der 1990er Jahre in der IHK nicht nur wahr, er gestaltet und formt sie in führenden Positionen entscheidend mit.
André Rummel erlebt, wie die Landeshauptstadt über die Jahre auch wirtschaftlich einen neuen Platz findet, hier ein neues Unternehmertum heranwächst.
Dabei muss man schon feststellen, dass dies in einem rasanten Tempo passiert ist. Aus der Stadt des Schwermaschinenbaus ist ein Wirtschaftsstandort mit einer vielfältigen Wirtschaftsstruktur geworden, die ihre Wurzeln jedoch nicht vergessen hat und den Maschinen- und Anlagenbau noch im Herzen trägt. Die Industrie ist und bleibt die DNA der Stadt. Hinzu kommt, dass sich um die industriellen Kerne weitere Branchen herausgebildet haben, so u.a. im Bereich der Dienstleistungs- und Handelsbranche, der Logistikwirtschaft, der Kultur- und Kreativwirtschaft, der Tourismus-wirtschaft, der Gesundheitswirtschaft, der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie der Kreislaufwirtschaft und Umwelttechnologie. Magdeburgs Wirtschaft ist klein- und mittelständisch geprägt, flexibel und innovativ. Die sehr guten Standortbedingungen sind eine gute Basis für weitere Impulse.
Zukünftig wird die Landeshauptstadt Magdeburg weiter an Stabilität gewinnen. Die Unternehmen, die hier seit Jahrzehnten gute Arbeit leisten und Verantwortung für die Gesellschaft und den Wirtschaftsstandort tragen, werden Magdeburg nachhaltig Profil als attraktiven Wirtschaftsstandort geben. Dazu tragen auch Neuansiedlungen bei. Optimale Verkehrsanbindungen, bestens entwickelte Gewerbeflächen und gewinnbringende Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, dies sind nur drei Argumente von vielen für den Investitionsstandort Magdeburg. Die Anbindungsqualität wird durch die Fertigstellung des Lückenschlusses der A 14 Magdeburg-Schwerin zudem weiter erhöht.
Ich wünsche mir, dass sich die Stadt und Region Magdeburg als ein attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum sieht und weiterentwickelt. Künftige Herausforderungen sollten wir annehmen und gemeinsam gestalten. Die Menschen und Unternehmen haben im Laufe der Geschichte bereits gezeigt, das Transformation gelingt. Diese Erfahrungen müssen wir selbstbewusst in die Zukunft führen. Insofern wünsche ich mir, dass wir die erlebte Geschichte der letzten 35 Jahre erfolgreich weiterschreiben. Otto gelingt das.“
Magdeburg ist ein interessanter Studienstandort
Prof. Dr. Anke Trommershausen
Von Hessen über Bayern, Niedersachsen und Thüringen nach Sachsen-Anhalt: Prof. Dr. Anke Trommershausen war schon an vielen Orten in Deutschland zu Hause. Geboren ist sie in Darmstadt, aufgewachsen an der hessischen Bergstraße und zur Zeit der Wende 1989/90 lebte sie gerade in Bayern. Trotz der Entfernung zur deutsch-deutschen Grenze hat sie den Fall der Mauer als was „Bahnbrechendes wahrgenommen“, was auch sie persönlich betraf, denn ein Teil ihrer Verwandtschaft lebte damals in Dresden. Zum Studium ging sie dann nach Lüneburg, an das andere Ende des Landes. Über einen kurzen Zwischenstopp zur Promotion an der Universität Klagenfurt in Österreich wurde sie auf eine Junior-Professur an die Bauhaus-Universität in Weimar berufen. „Das war der Beginn meiner eigenen ostdeutschen Erfahrung“, stellt sie rückblickend fest.
Den „großen Kulturschock“ haben sie und ihr Mann dort allerdings nicht empfunden, erinnert sie sich mit einem Augenzwinkern. „Es gab natürlich Unterschiede – kulturell, umgangssprachlich und auch beim Miteinander. Doch wir haben uns dort gleich wohlgefühlt und hatten eine sehr schöne Zeit.“ Dazu hat wahrscheinlich auch der große Mix ganz unterschiedlicher Menschen aus Ost und West beigetragen, die in der Kultur- und Universitätsstadt Weimar zusammengekommen sind. Nach fünf Jahren zog es sie weiter nach Magdeburg, an ihre nächste berufliche Station. So folgte sie 2017 dem Ruf der Hochschule Magdeburg-Stendal auf eine Professur für Medienmanagement: „Der Studiengang hier an der Hochschule war ein Glücksfall für mich, da diese Professur genau meine Themen der medienökonomischen Fragestellungen mit dem journalistischen Studiengang verbindet.“ Darüber hinaus war die Lehre schon immer ihre große Leidenschaft und auch die Vorzüge einer Campus-Hochschule hatte sie bereits in Lüneburg schätzen gelernt.
Auf die Frage nach dem Renommee der Magdeburger Hochschule ist sie sich sicher, dass diese im deutschlandweiten Ranking absolut mithalten kann: „In der Konstellation der angebotenen Studiengänge und mit unseren Rahmenbedingungen haben wir definitiv ein Alleinstellungsmerkmal. Zudem studiert es sich an der grünsten Hochschule Deutschlands einfach gut.“ In ihrer Funktion als Dekanin am Fachbereich Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien, die sie seit 2022 zusätzlich innehat, schätzt sie vor allem das anwendungsorientierte und ihr tolles Team. „Ich konnte von Anfang an viel lernen und mitgestalten, das macht einfach Spaß.“ Perspektivisch muss sich die Hochschule weiterentwickeln, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. „Die Lebenswege des Lernens verändern sich und die Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz werden immer zentraler. Damit werden auch neue Lehrformate notwendig, um zukunftsfest zu bleiben“, blickt sie voraus.
Insgesamt war für sie und ihre Familie der Wechsel an die Elbe genau die richtige Entscheidung, weil hier sowohl beruflich als auch vom Umfeld her alles passt. Dazu gehört auch, dass sie gleich einen Kita-Platz für ihre Tochter bekommen haben. „Ich bin westdeutsch sozialisiert und war daher begeistert, was es hier an Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt. Das hat mich sehr entlastet und vieles einfacher gemacht, als es in den alten Bundesländern wahrscheinlich gewesen wäre“, ist sie überzeugt. Für die Zukunft Magdeburgs wünscht sie sich noch mehr kulturelle Begegnungsorte und niedrigschwellige Angebote zur Kommunikation: „Es gibt so viele Ideen, wie man die Stadt noch attraktiver machen kann und die Menschen mehr in Kontakt kommen.“ Darüber hinaus sollte Magdeburg seine Vorzüge noch stärker herausstellen: Ob die tolle Lage an der Elbe oder die vielen Grünflächen mit dem wunderschönen Stadtpark – die Stadt hat eine hohe Lebensqualität. „Darauf aufbauend ist noch Potential nach oben“, freut sie sich auf die kommenden Jahre. „Das Gemeinschaftsgefühl in Magdeburg ist sehr groß und eine gute Basis, um die vielen schönen Dinge und besonderen Schätze der Stadt noch bekannter zu machen und weiterzuentwickeln.“