Dynamische Entwicklung in der Wissenschaft
Dr. Jens Alex
Das Institut für Automation und Kommunikation e.V., kurz ifak, wurde 1991 aus der Otto-von-Guericke-Universität heraus gegründet und ist heute ein eigenständiges Forschungsinstitut in der Landeshauptstadt. Dr. Jens Alex ist von Anfang an dabei und inzwischen Leiter der Abteilung für Wasser und Energie.
Gebürtig stammt der heutige Magdeburger aus Ilsenburg im Harz. 1982 kam er zum Studium an die Elbe, wo er während seiner Promotion auch den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung erlebte. „Wir waren damals alle ganz gespannt auf das, was da kommen wird“, erinnert er sich. „Trotz der Unsicherheiten war mir sofort bewusst, dass dieses Ereignis viele Türen öffnen und neue Möglichkeiten bereithalten wird.“ Zum Glück ist sein Lehrstuhl intakt geblieben und sie konnten sehr schnell neue Projekte und Kooperationen aufbauen. Als Professor Neumann dann ihn und seine Mit-Promovenden im Team gefragt hat, ob sie sich ihre zukünftige Arbeit in einem neugegründeten Forschungsinstitut vorstellen könnten, war er sofort begeistert. Und so kam es dazu, dass eine kleine Gruppe Wissenschaftler nicht hinaus in die Welt zog, sondern in Magdeburg blieb und das ifak aufbaute.
Seit dieser „Pionierzeit“, wie Dr. Alex es heute nennt, hat sich das ifak zu einem „gestandenen Forschungsinstitut mit rund 60 Mitarbeitenden entwickelt und ist ein wichtiger Baustein der Magdeburger Forschungslandschaft sowie Inkubator für vielfältige Strömungen im Umfeld“. Er betreibt mittlerweile vor allem anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung im Bereich der Automatisierungstechnik von Wasser- und Abwasseranlagen sowie deren energetische Anwendungen. Dazu gehört auch die selbstentwickelte Simulationssoftware namens Simba, mit der das Verhalten von Kläranlagen, Trinkwassernetzen und deren Randprozessen simuliert werden kann. „In diesem Bereich sind wir weltweit führend und dementsprechend sowohl in ganz Europa als auch in Nordamerika unterwegs“, erzählt er und ist ganz besonders stolz auf dieses „Produkt made in Magdeburg“.
Stolz ist Jens Alex aber auch auf das, was insgesamt aus seiner neuen Heimat in den letzten Jahrzehnten geworden ist „Damals war Magdeburg schon eine graue und wenig ansprechende Stadt. Doch nach der Wende gab es eine große Dynamik und die gibt es noch immer“, freut er sich. „Ich weiß es wirklich zu schätzen, welch riesigen Weg die Stadt seitdem zurückgelegt hat und wie positiv und aufstrebend sie heute ist.“ Besonders privilegiert findet er seinen täglichen Weg zur Arbeit, mit dem Roller entlang der Elbe: „Da komme ich jeden Tag ins Schwärmen, denn ein besseres Umfeld kann ich mir fast nicht vorstellen.“ Daher ist er auch sehr froh, dass die Zeiten so gekommen sind und sich ihm dadurch so viele neue Perspektiven eröffnet haben. „Ich fürchte, ohne die Wende wäre mein Leben deutlich grauer gewesen.“ Und das bezieht er nicht nur auf die Entwicklung der Stadt, sondern vor allem auch auf die vielen Möglichkeiten, die sich ihm als Wissenschaftler eröffnet haben.
In diesem Sinne fühlt er sich auch hier in Magdeburg in keiner Weise benachteiligt, sondern sehr glücklich und absolut gleichberechtigt. „In Deutschland gibt es regional sehr große Unterschiede und die wird es auch immer geben“, fasst er das Thema zusammen. „Das hat nichts mit Ost oder West, sondern mit den verschiedenen Mentalitäten in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Bayern oder dem Rheinland zu tun. Deutschland ist an sich sehr heterogen.“ Gerade im Bereich der Wissenschaft spielt das aber kaum eine Rolle, da hier sehr viele internationale Leute zusammenkommen, die das Miteinander nochmal ganz anders gestalten.
Er persönlich ist sowieso sehr auf die Wissenschaft und seinen eher „exotischen Bereich“, das Thema Abwasser, fokussiert. Von daher geht sein Blick stets nach vorn bzw. in Richtung seiner Mitstreiter. Auf dem Weg ist er auch immer noch dem Genius des Institutsgründers verhaftet, der jedem die Möglichkeit gegeben hat, sich so zu entfalten, wie er es über Projekte finanziert bekommt. „Auf der Grundlage kann ich mir nicht vorstellen, irgendwo anders bessere Bedingungen zu haben, als hier in Magdeburg.“
Die friedliche Wiedervereinigung war das größte Geschenk
Prof. Dr. Afra Waterkamp
Prof. Dr. Afra Waterkamp ist in Münster geboren und aufgewachsen. Mit dem Osten verbindet sie eine ganz besondere Erinnerung aus ihrer Kindheit: „Für mich begann die Weihnachtszeit immer mit dem Packen der Ostbackpakete mit den Backzutaten für die Verwandtschaft in Ostdeutschland; voller Freude auf das Weihnachtspaket aus dem Osten mit den Ostbriefmarken und den Weihnachtsartikeln aus dem Erzgebirge.“ Erstmals nach Magdeburg gekommen ist sie im Sommer 1994 nach Abschluss ihres Studiums und des Referendariats in Hamburg. „Es hat mich elbaufwärts von Hamburg nach Magdeburg gezogen“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Hier hatte sie eine Anstellung als Richterin auf Probe, wurde allerdings nach einer Woche an das Finanzgericht nach Braunschweig abgeordnet. „Zum Glück war die Bahnverbindung damals noch besser, so konnte ich in Magdeburg wohnen bleiben und jeden Tag fahren.“ Zu der Zeit sah Magdeburg noch ganz anders aus, vor allem wenn man aus dem Bahnhof kam. „Es war alles so grün und sehr weitläufig.“ Außerdem musste sie sich daran gewöhnen, dass man in Magdeburg samstags früh aufstehen musste, um noch „frische Backwaren“ zu bekommen.
Auch beruflich hat sich in den letzten 30 Jahren viel verändert. „Zu der Zeit war das Steuerrecht und insbesondere die Finanzgerichtsbarkeit absolut männerdominiert“, erinnert sie sich. Trotzdem wurde sie als Frau und dann noch aus dem Westen sehr nett aufgenommen. Eine Kollegin sagte damals zu ihr: „Wir müssen doch hier im Kollektiv zusammenhalten.“ Diese Offenheit und Herzlichkeit hat sie von Anfang an begeistert. Zudem hatte sie sich schon immer für Frauenrechte engagiert und auch viel über die Berufstätigkeit von Frauen in der DDR gelesen. Daher war sie gespannt auf die Realität in der Arbeitswelt. Als sie 2016 Präsidentin des Finanzgerichts Sachsen-Anhalt wurde, war sie in der Position aber noch immer eine absolute Rarität.
Mittlerweile hat sie sich nicht nur große Anerkennung in dieser Funktion erworben, sondern ist auch noch Honorarprofessorin für Steuerrecht der Universität Leipzig. „Das war früher meine eigentliche Intention, ich wollte unbedingt Dozentin werden und lehren“, blickt sie zurück. Daher freut sie sich heute umso mehr über diese Möglichkeit. Darüber hinaus arbeitet sie in vielen Gremien, engagiert sich in Vereinen und Verbänden, unter anderem im Rotary Club „Otto von Guericke“ in Magdeburg. „Wenn man in einer Stadt lebt, muss man sich dort auch einbringen“, das war schon immer ihre Devise. „Außerdem ist es unheimlich bereichernd, Menschen in verschiedenen Funktionen kennenzulernen.“ Dies hilft ihr auch als Richterin, weil sie so nicht nur in ihrer „beruflichen Blase“ lebt, sondern Kontakte zu ganz unterschiedlichen Personengruppen und persönlichen Schicksalen hat. „Über den eigenen Horizont hinaus zu schauen, viele soziale und zwischenmenschliche Kontakte zu pflegen, das gibt einem auch sehr viel Kraft und neuen Input“, ist sie überzeugt.
Um dies alles unter einen Hut zu bekommen, ist sie sehr froh, in Magdeburg nicht nur ihre neue Heimat gefunden zu haben, sondern auch so viel Unterstützung in ihrem Umfeld. Was die Entwicklung der Stadt angeht, so sieht sie positiv in die Zukunft: „Die Stadt hat schon so viele Umbrüche und Rückschläge gemeistert und das größte Geschenk für uns alle war doch, dass der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung ohne einen einzigen Schuss stattgefunden haben.“ Bei der Erinnerung daran hat sie noch immer ein Tränchen im Auge, wenn sie über die A2 nach Marienborn fährt. Als „Kind des kalten Krieges“, wie sie es formuliert, freut sie sich umso mehr, heute in Magdeburg zu Hause zu sein. Hier liebt sie vor allem die Lage an der Elbe und das viele Grün. Sie ist ganz begeistert von der Gesamtarchitektur des Domplatzes, von der Grünen Zitadelle, als letztem Objekt von Friedensreich Hundertwasser, und von der neuen Verbindung von Post und Justizzentrum im historischen Gebäude. Darüber hinaus hat Magdeburg so viele Sympathieträger, gerade auch im Sportbereich, die das neue Image der Stadt in die Welt tragen. Und zudem lebt sie nach dem Motto: „Wer nicht optimistisch ist, kann auch nicht die Zukunft gestalten.“