„Batman“, Dosen-Cola und ein Zwanzigmarkschein

Henk Henniges

 

Fragt man Henk Henniges nach seinem bis heute eindrucksvollsten Wenderlebnis, dann sitzt er gedanklich sofort wieder mit seiner Freundin auf dem knatternden Moped und fährt beschwingt und frierend aus Magdeburg heraus in Richtung Niedersachsen. Er erinnert sich an alles bis ins kleinste Detail. „Es war der 12. November 1989 und wir wollten nach dem Mauerfall zum ersten Mal über die Grenze. Und das war wirklich ein absolut einzigartiges Gefühl.“ Viel Aufregung war da im Spiel, als sich der damals 17-Jährige und seine Sozia durch den Stau an den unzähligen Autos vorbeischlängeln – bis sie endlich „drüben“ sind. „Und dann hat uns eine fremde Frau aus dem Beifahrerfenster eines fahrenden Autos heraus einen Zwanzigmarkschein in die Hand gedrückt. Einfach so.“

Henk Henniges und seine Freundin investieren das geschenkte Geld in das „erste Wendeerlebnis“, wie er heute sagt. „Wir sind in Helmstedt ins Kino gegangen, haben uns jeder eine Dose Cola und Erdnüsse gekauft und uns den Film ‚Batman‘ angeschaut.“ Bis heute unvergessen. Drei Tage zuvor, am 9. November 1989, habe er noch ungläubig mit seinem Vater auf der Couch gesessen und die Geschehnisse an der innerdeutschen Grenze verfolgt. „Wir dachten uns, passiert das etwa wirklich? Wir hatten ja auch keinen Zugriff auf andere Medien um herauszufinden, ob das alles so stimmt.“ Erst drei Tage später habe er die Chance ergriffen, in Richtung Westen aufzubrechen. „Vorher haben wir auf der Brücke gestanden und mit großen Augen den Stau auf der A2 gesehen.“

Zum Zeitpunkt des Mauerfalls hat Henk Henniges gerade eine Lehre zum Koch im Restaurant Ratskeller seiner Heimatstadt begonnen. „Ich wollte unbedingt zur See fahren und die Welt sehen. In der DDR ging das unter anderem, wenn du bei der Handelsmarine als Schiffskoch angeheuert hast“, erinnert sich der gebürtige Köthener, der schon als Baby nach Magdeburg kommt und im dörflichen Stadtteil Texas im Nordwesten aufgewachsen ist. „In der DDR ging’s uns als Familie gut, wir sind auch immer in den Urlaub gefahren. Ich war zur Wende ein Teenager und hatte bis dato nicht das Gefühl, irgendwie eingeschränkt zu sein.“ Umbruch und Unsicherheit, so sagt Henk Henniges heute, habe er vor allem beruflich bemerkt. „Ich habe meine Ausbildung abgeschlossen und dann ging‘s erst einmal für 2 Monate ab in die Arbeitslosigkeit.“ Nach einem kurzen Zwischenstopp in einem Vier-Sterne-Hotel in Bielefeld, kommt er 1992 nach Magdeburg zurück – um es bis heute nie wieder zu verlassen. „Ich muss den Dom sehen, dann bin ich Zuhause.“ Er baut 1994 für einen Bekannten erfolgreich einen der ersten Pizza-Lieferdienste in der Stadt auf. „Es lief gut und ich konnte endlich auch meinem Drang nachgehen, die Welt zu entdecken.“ Amerika, Afrika, Asien und Europa – Henk Henniges reist bis heute viel und gern. „Und ich koche gern für Freunde und Familie.“

Seit 25 Jahren verantwortet der verheiratete Familienvater die Gebietsleitung für die national und international agierende Radeberger Gruppe mit Sitz in Frankfurt am Main. Deutschlands größte private Brauereigruppe umfasst rund 60 Biermarken und ist auch in der Getränkelogistik und im Getränkefachgroßhandel führend. Die Radeberger Gruppe ist Teil der Dr. August Oetker KG in Bielefeld. „Ich betreue seit 1999 als Gebietsleiter die Stadt Magdeburg und das nördliche und mittlere Sachsen-Anhalt“, erklärt Henk Henniges, der sich auch im Vorstand des Ersten Lions Club Magdeburg von 1990 engagiert. „Ich habe nach meiner abgeschlossenen Kochlehre noch in Vollzeit eine zweijährige Fachschule für Betriebswirtschaft und Englisch in Korrespondenz besucht und bin über eine Stelle als Disponent im Getränkefachgroßhandel in das Brauerei-Business gerutscht.“

Die Investitionen und die positive Entwicklung Magdeburgs seit der Wiedervereinigung habe er vor allem auf der gastronomischen Bühne erlebt. „Magdeburg ist richtig gut aufgestellt, auch wenn mir persönlich die deutsche Küche zu wenig am Markt vertreten ist. Aber das ist so ein Generationending.“ Henk Henniges schätzt die „sympathische Größe“ seiner Heimatstadt sowohl beruflich als auch privat. „Magdeburg ist groß genug, um bei Bedarf anonym und ganz für sich zu sein, doch klein genug, um sich gut und nachhaltig vernetzen zu können.“ 


Den Lebensmittelpunkt in Magdeburg gefunden

Andrea Imwalle

 

„2011 bin ich nach Magdeburg gekommen und habe als Direktorin das Maritim Hotel, das größte und bekannteste Haus im Herzen der Elbestadt übernommen. Der Standort war mir aus meiner früheren Tätigkeit bereits bekannt. Ost oder West war für mich nie ein Thema. Ich hatte mich auf die Stadt und die Aufgabe gefreut, denn ich liebe Herausforderungen.“

Andrea Imwalle ist viel in Deutschland und im Ausland tätig gewesen. An den 3. Oktober vor 35 Jahren erinnert sich Andrea Imwalle - Sie war damals gerade in Garmisch-Partenkirchen und weiß allerdings noch lebhaft, dass seit dem Mauerfall auch in dieser bayerischen Gegend jede Menge Trabis unterwegs waren.

Nach eigenem Bekunden ist die gebürtige Niedersächsin mehr als 20-mal umgezogen, hat zahlreiche Städte, in denen sie Hotels leitete, kennengelernt, ebenso die Menschen dort mit ihren regionalen Unterschieden. Es hat also Gewicht, wenn sie sich nach 40 Jahren Hotelerfahrung als Magdeburgerin bekennt, hier ihre zweite Heimat gefunden zu haben.

„Wenn ich irgendwo unterwegs bin und gefragt werde, woher ich komme, dann antworte ich ohne zu zögern Magdeburg. Hier gehe ich gern im Stadtpark spazieren, habe meine Freunde, meine Basis. Magdeburg hat sehr schöne Ecken, die man täglich entdecken kann.“

Das Maritim Hotel hat über 500 Zimmer. Da ist ständig viel zu tun, und allzu viel Zeit für die Freizeit bleibt da nicht. Kommt Andrea Imwalle allerdings mit Gästen, die das erste Mal in Magdeburg sind, zusammen, dann hört sie immer wieder, wie begeistert Touristinnen, Touristen oder Dienstreisende von der Stadt sind. „Das hätten wir nicht erwartet“, kommt meistens als Nachsatz, und „Wir werden unbedingt nochmal herkommen“.

„So gesehen machte ich direkt Stadtmarketing“ lacht die erfahrene Hotelmanagerin und verweist gleich auch auf die zahlreichen Initiativen, die sie für das Hotel mit initiiert hat, und die mit dafür sorgen, dass das Hotel immer gut frequentiert ist.

Am 25. Oktober ist wieder so ein Event: das Dancing Highlight mit Roberto Albanese im Magdeburger Maritim Hotel zu erleben. Roberto Albanese ist ein deutscher Tanzsporttrainer und Choreograph im Formationstanzsport, Wertungsrichter und ehemaliger Profitänzer. Doch im Maritim Magdeburg wird nicht nur getanzt. Internationale Events gibt es auch bei Schach- oder Skatturnieren. So entstehen enge Beziehungen zwischen den Gästen und dem Hotel, die dazu führen, dass die Gäste sich nicht nur wohlfühlen, sondern auch regelmäßig wiederkommen, ganz gleich, ob sie nun aus dem Osten oder dem Westen Deutschlands anreisen.

Magdeburg hat sich gemausert. Das spüren nicht nur die Hotelgäste, sondern die Hoteldirektorin selbst beobachtet, wie die Stadt sich positiv entwickelt. Natürlich gibt es Dinge, die sie gern verbessern würde. Eine ICE-Anbindung gehört dazu, auch die Bettensteuer bedauert sie. Trotzdem lässt Andrea Imwalle auf die Ottostadt, auf Attraktionen, wie den Dom, das Hundertwasserhaus, die tolle Sportstadt, die weitläufigen Parks oder die Elbe mit ihren romantischen Auen nichts kommen. Sie bekennt sich als zugereiste Magdeburgerin, auch wenn sie ihre niedersächsische Heimat nie vergisst. Andrea Imwalle: „Ich bin in Magdeburg zu Hause und habe es nie bereut, hier meinen Lebensmittelpunkt gefunden zu haben.“