Ein Kümmerer für Sudenburg

Michael Hoffmann

 

Kleine Änderungen ermöglichen bedeutsamen Wandel, schon in der DDR und heute in Sudenburgs Straßen.

Lange hatte Michael Hoffmann darauf hingearbeitet und es sich gewünscht; dass Deutschland sich wieder vereint. Michael Hoffmann war bereits bei der ersten frei gewählten Stadtverordnetenversammlung am 1. Juni 1990 mit dabei, umso mehr freute er sich am 3. Oktober 1990, dem Tag der Widervereinigung Deutschlands. „Das Gefühl war unbeschreiblich. Ich war natürlich für die deutsche Einheit und wir wollten immer, dass Deutschland sich vereint. Es war einfach ein glücklicher Tag,“ resümiert er.

Seit den 70er Jahren lebt Michael Hoffmann in Magdeburg und in der Region. Heute setzt er sich als Straßenmanager für den Stadtteil Sudenburg ein, schon das zehnte Jahr. Damals zog er als Kind mit seiner Familie aus Zörbig bei Bitterfeld Richtung Ottostadt, weil sein Vater einer der ersten katholischen Diakonen im Bistum Magdeburg war. So erlebte er die Wendezeit durch die Magdeburger Perspektive. Mit 28 Jahren nahm der ehemalige Politiker nicht nur den neunten November als Kipppunkt wahr, sondern die Monate davor, in denen er mit seiner Frau frühzeitig bei Kundgebungen im Magdeburger Dom teilgenommen hat. Die tatsächliche Maueröffnung zog an dem Ehepaar Hoffmann allerdings vorbei. „Den Neunten November haben wir schlicht und einfach verschlafen, weil wir das beide nicht für ernst genommen haben.“

Nach der Wende war Michael Hoffmann in der Magdeburger Politik aktiv, von 1990 bis 2002 als Mitglied der SPD, ab dem Jahr 1994 auch als Landtagsabgeordneter. Was nebenberuflich begann, während er Geschäftsführer im Lederwarenbereich war, wurde schnell zu seiner Hauptbeschäftigung. Die Basis für ihn und seine Familie: immer Magdeburg. Selbst als er aus der Politik als SPD-Mitglied ausschied, der CDU beitrat und erneut als Geschäftsführer arbeitete, änderte sich sein Zuhause nicht. Zwar musste der Sudenburger häufig verreisen, zu Standorten seiner Gesellschaft nach Hamburg, Köln, Frankfurt/Main oder Rostock beispielsweise. In 59 Ländern war er, dienstlich oder mit seiner Familie, „da könne er nicht meckern“, befindet Michael Hoffmann. Doch sein Engagement für Magdeburg sowie für den Stadtteil Sudenburg blieb nicht aus.

Seit der Wiedervereinigung veränderte sich die Ottostadt Magdeburg stetig, auch durch Michael Hoffmanns Bemühen. „Jeder Mensch hat so seine Ziele im Leben,“ erklärt er seine Motivation, endlich die Städtepartnerschaft zum israelischen Kirjat Motzkin durchzusetzen. „Da musste sich einer hinter klemmen und das habe ich gemacht.“ Neben sieben weiteren Städten kann Magdeburg nun stolz auf seine gute Verbindung nach Kirjat Motzkin in Israel blicken. Damit setzt Magdeburg Zeichen für gegenseitiges Verständnis und die Zugehörigkeit des jüdischen Lebens in der Ottostadt.

Neben der Städtepartnerschaft hinterlässt Michael Hoffmann weitere Spuren in Magdeburgs Entwicklung: Die Veränderungen am Eiskellerplatz nennt er sein Lebenswerk. Bereits dieses Jahr könnten sich die Anwohner auf provisorische Wohlfühl-Objekte freuen, bis die Umgestaltung vollendet ist. Als Geschäftsstraßenmanager Sudenburgs ist Michael Hoffmanns Job, aus entwickelten Konzepten handfeste Veränderungen für den Stadtteil zu erschaffen. Während einige der Pläne für Sudenburg lange Zeit in der Umsetzung benötigen, versucht er, die Politik der kleinen Dinge zu vollziehen. Sein Ziel dabei: Mehr Wohlfühlen schaffen durch Flanieren mit Einkaufen. Ob rote Blumenkübel, neue Sitzmöglichkeiten oder die Ambrosiuskirche als kultureller Begegnungsort, Michael Hoffmann sieht sich als „Kümmerer vor Ort.“

Und auch wenn er weiterhin klare Mentalitätsunterschiede in Deutschland sieht - nicht nur Ost und West, sondern auch Nord und Süd – so blickt er zuversichtlich in die zukünftige Entwicklung von Magdeburg. „Da sind viele Weltfirmen auf Magdeburg aufmerksam geworden, die festgestellt haben, dass der Standort logistisch auf vielfältige Weisen interessant sein kann,“ meint der Hoffmann. Damit kann er mit einem glücklichen Gefühl auf die Ottostadt Magdeburg blicken, ob zurück in die Vergangenheit sowie nach vorne in mögliche Zukunftsentscheidungen.


Buckau begeistert als kreative Insel

Mareike Ortmeier

 

Von Niedersachsen über Bayern nach Sachsen-Anhalt und jetzt beruflich deutschlandweit aktiv, so könnte man den Werdegang von Mareike Ortmeier kurz zusammenfassen. In Bad Pyrmont geboren und in München aufgewachsen, ging sie zum Studium nach Augsburg. Zum Zeitpunkt des Mauerfalls war sie noch viel zu jung, um das Ganze zu verstehen: „Uns ging es im Westen sehr gut und die Probleme, die man im Osten hatte, haben wir als Kind nicht wirklich verstanden.“ Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb findet sie die Geschichten, die ihr die Menschen aus dem Osten über die damalige Zeit erzählen, extrem spannend und ist immer wieder beeindruckt, wie präsent diese noch ist.

Bereits während ihres Studiums hat sie sich als Kommunikationsdesignerin selbständig gemacht und einen ersten Kundenstamm aufgebaut. Ende 2008 ging sie dann mit ihrem damaligen Mann, der eine Stelle an der Otto-von-Guericke-Universität angenommen hatte, nach Magdeburg. „Eigentlich war der Plan, nur drei Jahre zu bleiben, um dann weiterzuziehen. Wir sind letztendlich doch hängengeblieben“, erzählt sie rückblickend. Grund dafür waren wohl auch die Geburt ihrer Kinder und das schöne Haus, das sie schnell gefunden haben. „Es war schon sehr aufregend, jedoch auch etwas beängstigend, hier neu anzufangen, weil wir Familie, Freunde und Kunden zurückgelassen haben und nicht wussten, wie es werden wird.“ Doch sie war sofort fasziniert von der Stadt mit dem prägnanten Hundertwasserhaus, von den offenen Menschen und den vielen Möglichkeiten, die es in Magdeburg gab. Zudem waren die Angebote zur Kinderbetreuung ein unschlagbares Argument: „Das ist tatsächlich ein großer Unterschied zwischen Ost und West. In München bleiben viele Kinder mindestens 3 Jahre zu Hause und erst dann können die Frauen wieder arbeiten gehen. Hier kann man die Kinder problemlos in die Krippe geben und nebenbei arbeiten. Zwar gibt es in Bayern vereinzelt auch Krippenplätze ab 1 Jahr, aber die Verfügbarkeit ist deutlich eingeschränkter.“ Gerade für sie als Selbständige war es ein großer Gewinn, im Homeoffice arbeiten zu können und trotzdem sehr viel Zeit für die Kinder zu haben.

Einen weiteren Vorteil für ihren guten Start in Magdeburg sieht sie in ihrer Mentalität: „Ich bin sehr offen und kontaktfreudig und gehe gern auf Leute zu.“ Zudem kommt man mit Kindern sowieso schnell mit anderen Eltern ins Gespräch und findet neue Kontakte. Beruflich hatte sie das Glück, nicht nur auf Magdeburg und die Region beschränkt zu sein, sondern im digitalen Zeitalter deutschlandweit und sogar international arbeiten zu können. Darüber hinaus hat sie bei den Magdeburger Kunden durch erfolgreiche Projekte, gute Mund-zu-Mund-Propaganda und die Teilnahme an Netzwerktreffen schnell Fuß gefasst. Daher fühlt sie sich heute voll integriert und angekommen. „Der Umzug nach Magdeburg hatte, bis auf die Menschen, die man zurückgelassen hat, nur Vorteile. Mittlerweile haben wir auch wieder einen großen Freundeskreis und ein funktionierendes Netzwerk“, freut sie sich über ihre damalige Entscheidung.

Heute lebt sie in Buckau und liebt den Stadtteil, seine Menschen und die Dynamik. „Magdeburg hat sich insgesamt toll entwickelt. Gerade Buckau hat sich bautechnisch so viel weiterentwickelt und es ist eine sehr kreative Szene entstanden, was besonders fasziniert.“ Auch deutschlandweit erfährt sie immer mehr, dass sich Magdeburg einen Namen gemacht hat – als Landeshauptstadt und Stadt an der Elbe, durch sportliche Erfolge und kulturelle Angebote. Daher werden auch in Zukunft noch mehr Touristen und Neu-Magdeburger in die Stadt kommen, ist sie sich sicher. Für sie selbst ist Magdeburg auf alle Fälle zum neuen Zuhause geworden, auch wenn sie sich selbst aufgrund ihres Lebensweges, des eindeutig nicht Magdeburger Dialekts und der sehr verstreuten Verwandtschaft gern als „interdeutsch“ bezeichnet. In diesem Sinne hofft sie auch, dass die Diskussionen um Ost oder West bald ein Ende haben und es spätestens für unsere Kinder nur noch ein Deutschland gibt. Denn Deutschland ist eine Einheit und steht zusammen!